Mittwoch, 30. Januar 2008

Der janusköpfige Oberarzt frißt zum Frühstück kleine Assistenten...

Willkommen in unserer Showarena, es ist 7.05 Uhr und somit zeigt für den täglichen Showdown.
Immerhin, zum Glück war ich nicht selbst involviert, aber muß man sich wirklich vorwerfen lassen, daß es unmöglich ist, nicht früher als es die Arbeitszeit verlangt zum Dienst zu kommen?
Wenn die Oberen es wünschen, Punkt sieben mit der Visite anzufangen, schön und gut. Eine einfach simple Nachricht am Vortag würde dem Plan schon zur Vollendung reichen. Es aber erst den Kollegen um 7.05 vorzuwerfen, scheint mir nicht der richtige Weg, um es mal ganz euphemistisch auszudrücken.

Derselbe OA zeigte mir gegenüber dann keine 10 Stunden später ein ganz anderes Gesicht. Mit ziemlicher Geduld und ohne böse Worte sind wir alle die Punkte durchgegangen, die wir noch klären mußten. Fazit: Meine Altlasten sind zu 90% beseitigt und ICH bin nicht gefressen worden. Auch wenn ich für diese Aktion zwei Überstunden einfahren mußte.
Insgesamt hatte diese Aktion ein bißchen etwas von Beichte. Man fühlt sich deutlich befreiter und so, als wäre eine deutliche Last genommen.

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Dienstag, 29. Januar 2008

Gute Geschichten aus den 80ern

Den heutigen Tag kann man getrost als gelungen verbuchen - wer hätte gedacht, daß ich sowas nochmal schreiben würde.

Gestriger OA ist mir tatsächlich den ganzen Tag nicht über den Weg gelaufen, und das nicht, weil er nicht da war, sondern weil er, kaum angekommen, flugs im OP verschwand und fortan nicht mehr gesehen wurde. Ich verbleibe mit der zugegebenermaßen geringen Hoffnung, daß er unser Date vergessen haben könnte.

Wegen einiger interner Probleme verblieb auf meiner Station heute wenig zu tun, so daß ich den Kollegen der anderen Station etwas helfen und sogar einige meiner Altlasten aufarbeiten konnte. Heute war fast schon ruhige Kugel angesagt. Besser mal nicht dran gewöhnen...

Ich war fast pünktlich zu Hause (nur, weil ich für die Kollegen Braunülen legen wollte, klappte das nicht) und konnte mich dann leidlich intensiv mit meiner Doktorarbeit befassen.

Ja, genau, das ist auch bei mir ein sehr leidiges Thema (das D-Wort). Diese Arbeit zu diesen ach so notwendigen zwei Buchstaben ("Wie? Sie sind gar kein richtiger Arzt?") ist nach mehreren gescheiterten Versuchen auf einem halbwegs sicheren Weg. Leider ist dieses nach-der-Arbeit-mal-ein-bißchen-was-dran-rumschreiben nicht die praktikabelste Methode. Allein um in die Materie reinzukommen braucht es einige Zeit (und minütliche Ablenkung durch Autoseiten des Internets). Trotzdem hoffe ich auch drauf, morgen frühzeitig rauszukommen, vielleicht kann ich ja einen Abschnitt mehr fertigstellen. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Zur Abendbeschallung gab es dann meine wiederentdeckte Serie der 80er, die sich diesmal sogar mit einem leidlich medizinischen Thema beschäftigte. Könnte ich also für mein Gewissen als Fortbildung verbuchen.

Zu guter Letzt rief dann ein Kollege an und fragte mich, ob ich nicht bei ihm in der Abteilung anfangen wolle. Die Verlockung ist groß und ich werde mir das nun einmal genauer durch den Kopf gehen lassen.

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Montag, 28. Januar 2008

Ein phantastischer Start in die neue Woche...

Montag morgen, 7.01 in einem kleinen deutschen Krankenhaus. Noch ist alles friedlich. Der unbedarfte (allzu naive) Assistenzarzt glaubt tatsächlich noch, diese Woche könnte besser werden als die letzten.
7.02 Der Griff zum Telefonhörer allein war schon eine Dummheit.
7.02 und 30 Sekunden Der allzu naive Assistenzarzt wird unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Natürlich wird diese Woche nicht besser als die anderen, vielleicht sogar schlimmer.
Um 7.03 ist der erste oberärztliche Einlauf bereits beendet. Leider weiß der kleine Assistenzarzt gar nicht so wirklich, was er denn falsch gemacht hat. Oder hat er etwa (noch) nichts falsch gemacht?

Auf jeden Fall ließ der OA verlauten, daß er mich heute abend mal sprechen wolle. Nun ja, und genau da liegt das Problem... "Heute abend" ist nämlich ziemlich genau nicht mehr in meiner Dienstzeit inbegriffen. Und so kam es nicht zu diesem angekündigten Date zwischen OA und AA. Weshalb ich mir morgen bestimmt wieder etwas anhören kann, von wegen er hätte auf mich gewartet etc. pp. Dabei habe ich auch gewartet, aber da war der Chirurg ja da, wo er eigentlich hingehört, im OP nämlich. Und nachdem meine Arbeit mehr oder minder erfolgreich beendet war, bin ich dann auch von dannen gezogen. Jenseits der tariflichen Arbeistzeit, aber - arbeitgebertechnisch einwandfrei - ohne Überstunden aufzuschreiben.

Ergo, to cut a long story short, diese Woche begann schon ausgesprochen unerfreulich (wobei das Donnerwetter ja erst noch folgen wird, aber ich bin einfach mal so frei, es apriori bereits anzunehmen).
Jetzt könnte ich mir ja einreden, schlimmer kann's net mehr werden, aber soo naiv bin ich ja dann noch nicht. Getreu dem Motto: "Expect the worst and you won't be disappointed", ist ja jeder Tag bei uns ein neues Abenteuer.

Nach der Arbeit habe ich dann zuviel gegessen (wieviele Brötchen kann ein normaler Assistenzarzt innerhalb einer Serienfolge einer mehr oder minder kultigen 80er Jahre Serie verdrücken??) und zuvor für meine Empfindung zu viel Sport getrieben. Mir tut jetzt schon alles weh, was ja nur ein trauriges Anzeichen dafür ist, wie sehr ich fitnesstechnisch abgebaut habe.

Bevor ich wieder vor Selbstmitleid zerfliesse, widme ich mich weiteren Folgen besagter DVD.

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Donnerstag, 24. Januar 2008

Der Fluch der Röntgenbilder...

Habe heute ungelogen eine Stunde damit zugebracht, die Röntgenbilder einer Patientin zu suchen, um diesbezüglich mit dem OA etwas zu besprechen. Schließlich habe ich sie in dem Stapel der entlassenen Patienten gefunden. Unglaublich, man fühlt sich fast schon boykottiert. Insbesondere, weil eine ähnliche Situation heute morgen früh mit den Bildern einer Patientin passiert ist. Außerdem bin ich immer noch der Meinung, daß ich nicht Medizin studiert habe, um Röntgenbilder zu suchen. Das mag sehr überheblich klingen, aber jedesmal, wenn ich auf diese Mission impossible gehe, frage ich mich, warum ich das machen muß. Schon klar, wenn ich es nicht tue, macht es kein anderer. Aber genau das macht es noch ärgerlicher.

Was das weitere angeht, ist es wie gehabt. Heute gab es eine sehr komplexe DRG-Fortbildung. Ich gebe zu, ich habe wirklich mal kein einziges Wort verstanden. Zumindest in den ersten 10 minuten nicht, danach wurde es schwieirg, weil die Worte und Buchstaben immer wieder mal kurzzeitig verschwammen, bis ich dann wieder die Kraft zum Fokussieren fand. Immerhin saß Chef mir direkt gegenüber, einzuschlafen wäre hochgradig peinlich gewesen.
Diese DRG-Sache ist ja wirklich sehr komplex, frage mich, ob das a) auch in anderen Ländern so ist (denn Auswandern ist auch für mich immer noch bzw. immer mal wieder ein interessantes Thema) und b) ob in diesen Ländern (die mich interessieren) auch der Arzt für die Codierung zuständig ist oder eher doch "geschultes Fachpersonal", was ich eindeutig begrüßen würde.

Nachdem wir heute unsere Station versorgt hatten, mußten wir auch noch die Arbeit der anderen machen und dann auch noch bis in die Puppen auf unsere Oberen warten. Finde schon, daß vieles bei uns einfach schlechte oder mangelnde Organisation ist. Dies führt zu Mißmut, schlechter Laune und Anpöbeleien (einige Kollegen sind ja darin ganz groß). Man könnte doch einiges verbessern (und v.a. die Stimmung heben), indem man Abläufe vereinfacht und v.a. auch mal positive Mitarbeiterrückkopplung gibt. Denn eigentlich werden hier nur Einläufe verteilt, positives, also Belobigungen habe ich hier zuletzt im letzten Jahr gehört. Positive Signale von (ganz) oben würden auf jeden Fall die Stimmung und das "globale Klima" verbessern, allerdings das Kind auch nicht mehr aus dem Brunnen holen.

Mittlerweile fällt es mir sogar schwer zu glauben, daß ich "früher", also vor gut einem halben Jahr, noch sehr gerne in diese Klinik zum Arbeiten gegangen bin. Schon traurig, daß sich die Gefühle und Empfindungen nur aufgrund äußerer Einflüsse so schnell ändern können. Und doch würde es mir sehr leid tun, hier wegzugehen, aber hauptsächlich denke ich mal, weil der Mensch ja ein Gewohnheitstier ist. Und ich bin dazu auch noch faul.

Werde morgen mal versuchen, in den OP der "Konkurrenz" zu schleichen, um denen bei einem interessanten Eingriff zuzusehen. Hoffe ja mal, daß unsere Tagesplanung das zuläßt. Wenn schon nicht selber operieren, dann wenigstens was dazulernen.

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Montag, 21. Januar 2008

was man auch anpackt, es läuft suboptimal

Da mich ganz offensichtlich die freie Perforation des Ulcus über Nacht nicht dahingerafft hat, mußte ich heute doch prompt schon wieder auf der Matte stehen.
Der ganze gesamte Tag lief bis zu "meiner" OP eher suboptimal. Gott sei Dank ist auf die fast stündlichen Einläufe Verlaß, da ist einem ja fast egal, daß man weder was falsch gemacht hat noch irgendetwas für das Problem kann. Regelmäßigkeit führt einfach zu einer gewissen Beruhigung.
V. a. wenn man mir nach gestrigem Dienst auch noch vorwirft, meine Arbeit gemacht zu haben. Ja ist gut, werde keinen Patienten mehr aufklären, keine Sorge, habe auch so am WE genug zu tun.

Und dann die OP. Naja, lief eigentlich ganz gut, aber ich merke doch immens, wie sehr mir Routine fehlt. Habe ohne OA schonmal angefangen und fühlte mich erst sicher, als er dann auch da war und mir jeden Schritt sozusagen diktierte. Sollte weniger als 2 Jahre vor dem FA eigentlich ja nicht so sein.

Nach der OP dürfte ich dann erstmal meine Stationsarbeit nachholen, die natürlich in meiner Abwesenheit liegen geblieben ist. Nach mehrfachen frustranen Versuchen einen Brief zu diktieren, habe ich erst Bleistifte in einem Drang sinnloser Zerstörungswut geopfert und dann mißmutig den Brief selber getippt. War gerade rechtzeitig zum nächsten Einlauf der Oberen fertig. Gutes Timing ist eben alles in diesem Beruf.

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P.S.: Womöglich sollte es auch besser heißen: "Was ich auch anpacke, es läuft suboptimal" (nicht von sich auf andere schließen)

Sonntag, 20. Januar 2008

Den letzten beißen die Hunde...

... oder warum ich Sonntagsdienste so inbrünstig hasse.

Es hat sich schon an mehreren Sonntagen bewahrheitet und so auch an diesem aktuellen Wochenende. Derjenige, der den letzten Dienst vor dem nächsten Arbeitstag erwischt, ist der Dumme.

Auf einer chirurg. Station fallen auch vorm und am Wochenende diverse Arbeiten an, die (eigentlich) getan werden müßten. Dazu gehören Aufnahmen, Aufklärungen und Dokumentationen. So scheint es aber nun in der Natur der Menschen (Chirurgen?) zu liegen, solche Dinge immer weeeit von sich zu schieben, bis es - hoppla - plötzliche Feierabend ist und Überstunden will man für diese profanen Dinge nun doch nicht machen und schließlich ist es ja bis Montag ja noch lange hin.

Bestimmte Untersuchungen und Dokumentationsarbeiten hätte man auch am Freitag (dem Tag der Aufnahme machen können), aber das ging ja nicht, weil "da war der Patient auf der Toilette". Ja, wie ? 24 Stunden lang? Um am Samstag ging das ja auch nicht, weil sowas ist ja eigentlich keine Aufgabe für den Samstagsdienst.
Aber für den Sonntagsdienst? Neben Aufnahmen, Aufklärungen und zusätzlichen Arbeiten? Nein, auch für den Sonntagsdienst ist dies eigentlich nicht gedacht. Aber wie es eben so ist, der letzte vor dem Montag muß diese ganze Arbeit seiner "lieben" Kollegen abarbeiten.

Und ich werde das morgen gar nicht erst zur Sprache bringen. Kriege ja dann doch zu hören, ich solle mich nicht so anstellen, wäre ja alles nicht so schlimm und wäre ihnen selbst ja auch schon so ergangen.
JA UND? Ist dies nicht um so mehr Grund, das mal zu ändern? Oder es wenigstens zu versuchen?

Ansonsten hat mich eine Pat. repsektive deren Ehemann nahe an den Rand des Wahnsinns gebracht. Er beschwerte sich nämlich, daß er es so gewohnt sei, daß man jeden Tag den Professor sehen würde, bei seiner Frau wäre der Prof. aber noch gar nicht gwesen. Meine schlaue Antwort, seine Frau wäre ja doch nicht privat versichert, wurde mit einem einfachen "Doch" abgebügelt.
Ja, wie jetzt? Sie sind privat? Häh? Wieso? Sie haben doch nix unterschrieben?
Darauf der Mann: "Und trotzdem müssen wir den erhöhten Satz zahlen."
Sofort durchzuckten mich Wunschträume, all das, was ich an der Pat. diagnostiziert hatte, privat abrechnen zu können. Immerhin bestand der Ehemann ja darauf, IMMER den erhöhten Satz zu zahlen.
Ich befürchte aber, im Endeffekt habe ich gar nicht verstanden, was er da eine halbe Stunde lang versucht hat, mir zu erklären.

Die anwesenden Kollegen waren auch alle stinkig oder (noch schlimmer) absolut verständnislos ob meiner miesen Laune und die Pat. motzig. Und das alles für 0 Euro Bezahlung, die Benzinkosten muß ich auch noch drauflegen, um am Wochenende arbeiten zu "dürfen". Herrlich.

Die Tatsache, daß ich weder eine Pause machen konnte (gut, wie bereits geklärt, ist es das Essen wohl nicht wert) noch daß ich irgendwo auf weiter Flur so etwas wie einen Übergabezettel meiner liebsten Kollegen (Dauerstreitpunkt) gefunden habe, gab mir dann den Rest, so daß ich dann absolut entnervt eine halbe Stunde vor Dienstschluß mich dem Kollegen übergeben habe und geflohen bin. Mit dem festen Vorsatz morgen nicht hinzugehen, aber ich muß ja, weil ich doch operieren darf. Zumindest war der andere Kollege (aus Mitleid) so nett, mir seine OP-Berechtigung abzutreten.

Zu Hause habe ich mich dann an dem sehr leckeren gemeinschaftlichen Abendessen wohl übernommen. Resultat sind heftigste abdominelle Beschwerden und ich vermute mal, daß dies ein perforiertes Ulcus ventriculi ob des immensen heutigen Stresses ist. Eine Art BG-Fall also.

In diesem Sinne verkrieche ich mich jetzt mit Selbstmitleid und Wärmflasche in meinem Bett,
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Freitag, 18. Januar 2008

changes...

Der heutige Tag barg - abgesehen von der Tatsache, daß ich für meine Empfindung doch zu lange da war, erstaunlicherweise wenig negatives, somit kann ich mich heute kaum beschweren.

Wir haben über Umwege erfahren, daß unser Chef doch für unsere Rechte eintritt, es gab keine (weder recht- noch unrechtmäßige) Einläufe seitens der Oberen Zehntausend.

Und unglaublich, aber wahr, ich kann es selbst kaum fassen: Ich bin semi-offiziell für eine kleine (aber immerhin) OP am Montag eingeteilt! Vielleicht hat das Rumjammern und Mosern doch was gebracht? Stehe allerdings mit einem Kollegen drauf, da heißt es er oder ich. Das müssen wir noch ausdiskutieren. Freue mich aber trotzdem. Wobei es natürlich unglaublich ist, daß ich mich freue, nach 4 Monaten wieder auf dem OP-Plan zu stehen. In einer chirurgischen Abteilung...

Wenn ich den das Gespräch eines Kollegen mit dem OA richtig interpretiert habe, kriegen wir wohl tatasächlich auch noch einen neuen Kollegen. Einer kommt ja im Februar, ein anderer im März (und wir sind trotzdem dann noch unterbesetzt). Ist ja auch positiv.

Zu guter Letzt mußte ich heute nicht den obligatorischen Krankenhausfisch essen, sondern hatte (zugegebenermaßen deftig trockene) Reste des gestrigen Nachtmahls dabei.

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Donnerstag, 17. Januar 2008

untragbar

Preisfrage: Wieviele Ärzte braucht es, um eine zweistellige Anzahl von Kollegen in den Wahnsinn zu treiben? Oder in unserem speziellen Fall, in die Kündigung?
Die Antwort ist erschreckend simpel und einstellig, sozusagen sechs noch null, um es mal pseudowissenschaftlich auszudrücken.

Dieser eine Kollege vergrätzt es sich momentan mit allen, was aufgrund seiner netten empathischen Art mich weder erstaunt noch irgendwie tangiert. Doch mit seiner letzten Aktion hat er den Vogel abgeschossen. Denn der gute Mann ist tatsächlich der Meinung, daß er mehr Anrecht auf operative Ausbildung als andere hat, die in anderen Funktionsbereichen ihr Dasein fristen müssen. Nach Krawall bei der Dienstplangestaltung und nachfolgendem Geplärre bei den Oberen hat er doch tatsächlich Recht bekommen, ungeheuerlich. Da müht man sich jahrelang ab, versucht in den OP zu kommen, wird ständig wieder in nichtoperativen Bereichen eingesetzt, was man auch immer nörgelnd verlauten läßt und jener kriegt das einfach in den Allerwertesten geschoben. Warum, weil eben keiner Lust auf den lautstarken Ärger hat, den er sonst vom Stapel lassen wird. Man zieht einfach lieber den Schwanz ein und droht den Verbliebenen Unteren, wenn die dann doch mucken.
"Ober sticht Unter"

Meines Erachtens ist diese Aktion eigentlich ein Kündigungsgrund.
Was heißt eigentlich? Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht bzgl. anderer Kliniken aktiv gewesen. Man hält ja sowohl passiv als auch aktiv die Augen offen.
Das Team ist schon länger nicht mehr so wie vor einiger Zeit noch, jeder ist sich selbst der Nächste (nee, das war vorher eben nicht so) und die sog. "operative Ausbildung" ist eigentlich nicht existent.

Momentan bin ich noch zu faul (Umzug, Packen etc.), um einen endgültigen Wechsel auf mich zu nehmen, aber so wie es hier in letzter Zeit aussieht, denke ich, wird es nicht mehr lange dauern.

Unsere Sekretärin meinte heute zu mir, nicht die Pat. hätten sich geändert und wären anstrengender geworden, sondern dies wäre mit uns passiert. Wahrscheinlich hat sie recht, unsere Frustarationsschwelle ist mittlerweile ziemlich niedrig. Gerade wenn wieder irgendwelche Eier oder Bananenbieger bei uns landen. Doch früher war ich auch diesem Klientel gegenüber aufgeschlossen eingestellt, kann ja schließlich keiner was dafür, ein Ei zu sein.
Doch in letzter Zeit verlangt der Job immer mehr Selbstbeherrschung und Fatalismus von uns.

Und das wird weder mit gutem Essen, noch mit kostenlosen Parkplätzen geschweige denn mit adäquater Bezahlung vergolten. Und es ist ja nicht so, als hätte man das nicht alles vor Aufnahme des Studiums gewußt (naja, beim Essen hatte ich Hoffnung). Man ist also prinzipiell wissentlich in sein Verderben gerannt. Schön blöd eben...

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Mittwoch, 16. Januar 2008

About me

Viele Krankenhäuser berherbergen unzufriedene Ärzte - ich bin einer von ihnen. Auch heute habe ich mich (beileibe nicht zum ersten Mal in diesem Jahr) gefragt, ob der von mir ergriffene Beruf wirklich der richtige ist. V.a. in Anbetracht der Tatsache, daß ich eben diesen Beruf noch mehr Jahre ausüben muß, als ich überhaupt bis jetzt auf diesem Planeten verweile (um meine Rente in Anspruch nehmen zu können). Immer mal angenommen, ich teile nicht das Schicksal des zu frühen Ablebens vieler Chirurgen.

Mittlerweile bin ich seit mehr als vier Jahren im Klinikbetrieb tätig. Nicht viel mögen einige nun - zu Recht - sagen. Trotzdem sind mir schon soviele Mißstände aufgefallen, daß ich mich wirklich frage, warum ich noch hier bin.
Um die Antwort vorwegzunehmen, natürlich habe ich mich bereits im Ausland sowohl nah als auch fern beworben. Doch familiäre Bindungen lassen zur Zeit einen allzu weiten Wegzug nicht zu.

Rein optisch gesehen würde mein Krankenhaus durchaus Pluspunkte verbuchen können, idyllisch gelegen, ruhig, Waldrand, hübsche Architektur, Neubau, hell. Aber wie ich schon bald feststellen mußte, gut aussehen ist nicht alles.

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Mittwoch, 2. Januar 2008

Doc Blog - The Beginning

Warum dieser Blog?

Diese Frage mögen sich einige beim Blick auf den Titel des Blogs stellen.
Es gibt (zumindest nach meiner womöglich eher minderwertigen Recherche) keine ausufernde Anzahl an Blogs über Leben und Leiden eines Vertreters der weissen Zunft. Möge ich hiermit falsch liegen, bitte ich um Aufklärung.

Gleichzeitig möchte ich diesen Blog als Tagebuch oder persönliche Möglichkeit des (verbalen) Frustabbaus nutzen, um nicht vollends zu dekompensieren ob der täglichen Flut an Unmut produzierenden Ereignissen (dies natürlich alles immer unter Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht).

Die Arbeitsbedingungen an deutschen Krankenhäusern haben sich wahrlich nicht zum besten verändert. Die Früchte dieser "Arbeit" haben nun (nicht nur) die Ärzte zu tragen und ich frage mich immer mehr, ob die Entscheidung zu diesem Beruf die richtige war.

In diesem Blog sollen Ereignisse, Tatsachen, Fragen und Hoffnungen verarbeitet werden, die mich in meiner täglichen Arbeit tangieren und oft genug in eine wahre Krise treiben. Meiner Familie kann ich diese Geschichten mittlerweile nicht mehr zumuten, das Verständnis dafür ist deutlich geschwunden, also de facto gar nicht mehr vorhanden und würde nur weitere Ehekrisen hervorrufen. (Allein das recht erzürnt vorgebrachte "Wieso brauchst Du denn jetzt auch noch ein Blog zu dem Thema?!?" zeigt das unterschwellige (?) Unverständnis seitens der näheren Umwelt.)

Demnächst wird es mit einer kurzen Vorstellung meinerseits weitergehen.

Bis denn,
Doc Blog (in der Hoffnung, daß diese Psychotherapie helfen wird, nicht das Handtuch zu schmeissen)