Sonntag, 20. Januar 2008

Den letzten beißen die Hunde...

... oder warum ich Sonntagsdienste so inbrünstig hasse.

Es hat sich schon an mehreren Sonntagen bewahrheitet und so auch an diesem aktuellen Wochenende. Derjenige, der den letzten Dienst vor dem nächsten Arbeitstag erwischt, ist der Dumme.

Auf einer chirurg. Station fallen auch vorm und am Wochenende diverse Arbeiten an, die (eigentlich) getan werden müßten. Dazu gehören Aufnahmen, Aufklärungen und Dokumentationen. So scheint es aber nun in der Natur der Menschen (Chirurgen?) zu liegen, solche Dinge immer weeeit von sich zu schieben, bis es - hoppla - plötzliche Feierabend ist und Überstunden will man für diese profanen Dinge nun doch nicht machen und schließlich ist es ja bis Montag ja noch lange hin.

Bestimmte Untersuchungen und Dokumentationsarbeiten hätte man auch am Freitag (dem Tag der Aufnahme machen können), aber das ging ja nicht, weil "da war der Patient auf der Toilette". Ja, wie ? 24 Stunden lang? Um am Samstag ging das ja auch nicht, weil sowas ist ja eigentlich keine Aufgabe für den Samstagsdienst.
Aber für den Sonntagsdienst? Neben Aufnahmen, Aufklärungen und zusätzlichen Arbeiten? Nein, auch für den Sonntagsdienst ist dies eigentlich nicht gedacht. Aber wie es eben so ist, der letzte vor dem Montag muß diese ganze Arbeit seiner "lieben" Kollegen abarbeiten.

Und ich werde das morgen gar nicht erst zur Sprache bringen. Kriege ja dann doch zu hören, ich solle mich nicht so anstellen, wäre ja alles nicht so schlimm und wäre ihnen selbst ja auch schon so ergangen.
JA UND? Ist dies nicht um so mehr Grund, das mal zu ändern? Oder es wenigstens zu versuchen?

Ansonsten hat mich eine Pat. repsektive deren Ehemann nahe an den Rand des Wahnsinns gebracht. Er beschwerte sich nämlich, daß er es so gewohnt sei, daß man jeden Tag den Professor sehen würde, bei seiner Frau wäre der Prof. aber noch gar nicht gwesen. Meine schlaue Antwort, seine Frau wäre ja doch nicht privat versichert, wurde mit einem einfachen "Doch" abgebügelt.
Ja, wie jetzt? Sie sind privat? Häh? Wieso? Sie haben doch nix unterschrieben?
Darauf der Mann: "Und trotzdem müssen wir den erhöhten Satz zahlen."
Sofort durchzuckten mich Wunschträume, all das, was ich an der Pat. diagnostiziert hatte, privat abrechnen zu können. Immerhin bestand der Ehemann ja darauf, IMMER den erhöhten Satz zu zahlen.
Ich befürchte aber, im Endeffekt habe ich gar nicht verstanden, was er da eine halbe Stunde lang versucht hat, mir zu erklären.

Die anwesenden Kollegen waren auch alle stinkig oder (noch schlimmer) absolut verständnislos ob meiner miesen Laune und die Pat. motzig. Und das alles für 0 Euro Bezahlung, die Benzinkosten muß ich auch noch drauflegen, um am Wochenende arbeiten zu "dürfen". Herrlich.

Die Tatsache, daß ich weder eine Pause machen konnte (gut, wie bereits geklärt, ist es das Essen wohl nicht wert) noch daß ich irgendwo auf weiter Flur so etwas wie einen Übergabezettel meiner liebsten Kollegen (Dauerstreitpunkt) gefunden habe, gab mir dann den Rest, so daß ich dann absolut entnervt eine halbe Stunde vor Dienstschluß mich dem Kollegen übergeben habe und geflohen bin. Mit dem festen Vorsatz morgen nicht hinzugehen, aber ich muß ja, weil ich doch operieren darf. Zumindest war der andere Kollege (aus Mitleid) so nett, mir seine OP-Berechtigung abzutreten.

Zu Hause habe ich mich dann an dem sehr leckeren gemeinschaftlichen Abendessen wohl übernommen. Resultat sind heftigste abdominelle Beschwerden und ich vermute mal, daß dies ein perforiertes Ulcus ventriculi ob des immensen heutigen Stresses ist. Eine Art BG-Fall also.

In diesem Sinne verkrieche ich mich jetzt mit Selbstmitleid und Wärmflasche in meinem Bett,
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