Mittwoch, 29. April 2009

Positionen in der Chirurgie

Es geht hier nicht um Positionen, die man durch Karriere einnehmen kann. Oder andere näher- oder fernerliegende Positionen.

Nein, es geht hier um Körperpositionen. Im OP. Und zwar ist mir bei meinen zwar seltenen, aber immer ungemein beliebten OP-Einsätzen, aufgefallen, wie man sich als Operateuer, erster und zweiter Assistent hinstellt. Also tatsächlich um die körperliche Position des Arztes intraoperativ.
Nach meiner (nicht evidence-based) Untersuchung können verschiedene Positionen und korrelierende Typen unterschieden werden.


Straight-A
Der dynamische Operateur (vorzugsweise Chef- oder Oberarzt) steht sehr aufrecht, die Beine nur ganz leicht gespreizt direkt am OP-Tisch, Knie und Rücken gerade. Hat alles einwandfrei im Blick und ist jederzeit Herr der Lage. Diese Position kann auch längerfristig einbehalten werden.

Broad-A
Der weniger dynamische (weil manchmal unterforderte) Assistenzarzt steht deutlich breitbeiniger als der Operateur. Dadurch steht er u. U. vom Blicklevel etwas tiefer als der Operateur, kann aber immer noch alles wichtige sehen, sich im "Notfall" aber auch am Tisch mit dem Unterkörper abstützen (cave, kann bei unter dem Abdecktuch versteckten Metallteilen des Tisches schmerzhaft sein). Auch diese Position kann lange durchgehalten werden. Variiert wird sie bei manchen Kollegen durch eine Hyperlordose, was aber ordentlich Zug auf die Facettengelenke machen kann und sich nachher in bösen Rückenschmerzen postop. bemerkbar machen kann (oder ich liege falsch und habe echt was strukturelles am Rücken).

Locked-In
Meine persönliche Lieblingsposition. Beinhalted Broad-A, dann aber eine Inversion und leichte Supination beider Füße, dadurch sind die Knie in Streckstellung fixiert, ohne daß man sich allzu sehr konzentrieren muss. Habe es schon öfter gehabt, daß die Stabilität der Knie ungenügend war und die plötzlich nachgegeben haben. Unschön, wenn man dann vom Tisch stolpert. Mit Locked-In kann das m. E. nicht passieren. Um eine unschöne Supinationsstellung und Zug auf die lateralen OSG-Bänder zu verhindern, empfehle ich eine zusätzliche Innenrotation der Hüften.

Sideways
Der von den Chirurgen benutzte Ausdruck ist häufig "reinfechten". Wird (zwangsweise) dann genutzt, wenn zwei Assis auf einer Seite stehen und von dem eingenommen, der am Arm des Patienten steht. Da er gar keine andere Wahl hat, steht er nicht mit der Breitseite, sondern nur mit seinem seitlichen Profil an den Tisch gelehnt (cave Bursitis trochanterica).
Wenn man in Trittweite eine Stufe hat, ist das auch länger auszuhalten. Dann auch mal wechselnd einbeinig. Kann man auch einnehmen, wenn man allein auf einer Seite ist, dann kann man die Füße auch besser ausstrecken oder verschränken. Hauptproblem ist allerdings die etwas eingeschränkte Sicht (in der Fechterstellung sowieso).

Over the top
Meine am meisten gehasste Position, weil DIE macht wirklich Rücken. Der Operateur sitzt, der Assistent beugt sich über das Bein nach vorne, wobei auf der ihm abgewandten Seite operiert wird. Egal, wie man es dreht und wendet, diese notgedrungen einzunehmende Position ist definitiv nicht angenehm.

EasyRider
Klingt gut, ist gut. Als zweite Assistenz der Hüfte, in der einen Hand den EasyRider-Haken, die Füße auf der Stufe so gestellt wie gewünscht und (da man eh nix sieht) auch durchaus in der Lage, alles mögliche andere zu beobachten. Nachteil: Man sieht wirklich gar nichts von der OP. Niente! Schon fies.
Aber angenehm auszuhalten. Wenn's schon mal sein muss, kann man's wenigstens geniessen. Wer weiß denn schon, wann Over the top wieder blüht.

Inbetween
Auch nicht gerade beliebt, der "Sprung" zwischen die Beine des Patienten zur Vorbereitung der Anastomose. Alternativ auch Unterm Tuch zu nennen. Da kann man sich zwar setzen, aber die Luft ist dort unten wahrlich nicht gut. Und unsteril ist man danach auch noch.

Einbeinig
Als Variation der oben genannten gerne mal genutzt zur Entlastung der eigenen geschundenen Gelenke. Da dies zur Mehrbelastung des anderen Gelenks führt, ist ein wechselseitiges Spiel zu empfehlen.

Ich denke, das wären die gängigsten. Jetzt soll nur keiner denken, wir flezen uns bei den OPs nur irgendwie so rum. Sterilität ist und bleibt immer das oberste Gebot. Aber wenn man 4, 6, teilweise 8 Stunden am Stück stehen muss, braucht man auch mal Ausweichmöglichkeiten am Tisch. Denn es ist tatsächlich so, daß man (v. a. wenn man nicht selber der Operateur ist) nach ein paar Stunden die eigenen Knochen beginnt zu bemerken. Da freut man sich über jedes Röntgenbild, weil das Bewegung bedeutet.

Doc Blog

Mittwoch, 15. April 2009

Zurück von der ISS

Freude allenthalben.
Nach ungezählten Tagen in der ISS (Indikationssprechstunde) wird Doc Blog wie es aussieht nun endlich wieder in den OP gelassen.
Bis zum FA ist es ja auch nicht mehr weit, da brauche ich das ganz dringend. Da paßte es ganz gut, daß einer der OÄ vorhin ein FA-Prüfungsgespräch mit mir veranstaltet hat.
Klar, wenn ich solche Fragen bekäme, dann wäre alles ganz simpel. Hey, dann müsste ich ja kaum noch lernen.
Aber denke mal, soo einfach wird es nicht werden, schade.

So, jetzt aber weiter emergency room gucken (werte ich wie immer als Fortbildung, und notiere mir dafür interne CME-Punkte).

Doc Blog

Dienstag, 7. April 2009

BETTENPLANUUUNG!

In meinen Augen sozusagen DAS Unwort der Chirurgie schlechthin, es vermag mich problemlos jeden Tag jenseits der Grenzen des Wahnsinns zu schicken.

Aber wieso ist die Bettenplanung eigentlich immer ein solcher Akt? Nun, DIE Frage ist nicht so schwer zu beantworten, viel schwerer ist dagegen eine tagesakuelle (ach was, minutenaktuelle) Lösung dieser.

In jeder medizinischen Abteilung (mit Ausnahme vielleicht der Radiologie) gibt es eine festgelegte Anzahl Betten x. Im Optimalfall ist x gleich der Anzahl an Patienten, aber leider tritt dieser Optimalfall in der Chirurgie nicht wirklich häufig ein.

Regelfall ist vielmehr eine Anzahl x + n. Und je nachdem, ob sich das "n" im ein- oder zweistelligen Bereich bewegt, kann es schon mal sehr haarig werden.
Im Schnitt würde ich n mit 3 beziffern, am Wochenende auch gerne mal mehr. Allein in meinem letzten WE-Dienst hatte ich eben jene drei zusätzliche Aufnahmen, was der Kollege hatte, weiß ich gar nicht einmal.

Nur, wie bringt man x+n Patienten in einer Anzahl x Betten unter?

Und genau deswegen ist die Bettenplanung ein wirkliches Hassobjekt. Man kann eben nicht das unmögliche möglich machen, nein, auch dann nicht, wenn man Medizin studiert hat.

Wenn alles nicht mehr hilft, Patienten frühzeitig luxiert werden müssen, anderen "großzügig" ein früherer Entlassungstermin als gute Idee verkauft wird, ausnahmslos alle anderen Abteilungen abgeklappert sind, da müssen Patienten auch mal länger warten oder ganz verzichten und Tage später nochmal wiedereinbestellt werden.

Das Verständnis für diese Warteaktionen tendiert gegen Null, da ist sich jeder eben selbst der Nächste. "Wie? ICH soll warten? Wegen einem Notfall? Wieso ICH? ICH warte schon so lange."
Andererseits, wenn der Herr der Notfall wäre, denke ich nicht, daß er sein Bettchen für einen elektiven Patienten frei machen würde.

"Wieso musste denn der Notfall genau heute kommen?"
Ähm ja, frage ich mich nachts um 3 Uhr auch manchmal, aber vielleicht können wir froh sein, daß er es überhaupt noch bis zu uns geschafft hat.

Verständnis auch für das Warten aufs Zimmer? Fehlanzeige.
Eine Dame hat sich allen ernstes einmal beschwert, weil sie eine Stunde (!) auf ihr Zimmer bzw. das Bett in dem Zimmer warten musste. Die Erklärung war leicht, immerhin war die Pat., die ihren geplanten Bettenplatz "blockierte" zweiter Punkt im OP und da die erste OP sich verzögert hatte, wurde sie als zweite eben erst 30 min. (!) später in den OP abgerufen und die Neuaufnahme saß (wohlgemerkt schmerzfrei und satt) im Aufenthaltsraum.
Habe die OP-Verzögerung der Dame lang und breit (und natürlich auf Verständnis hoffend) erklärt, von wegen!

Die hat doch allen ernstes folgendes geantwortet: "Das ist doch eine Unverschämtheit und ganz schlechte Planung! Ich habe den Termin seit Wochen! Und da war es Ihnen nicht möglich, mir ein Zimmer zu besorgen? Ich musste eine ganze Stunde warten!"
Was soll man dazu sagen? Gar nix, im Endeffekt hat sie sich bei der Verwaltung beschwert. Daß die OP erst aktuell keine halbe Stunde vor ihrer Ankunft sich verzögert hatte, vollkommen sekudär. Daß sie selbst als präop. Patient wohl auch kaum auf dem Gang würde warten wollen, egal...

Apropos Gang, in meinem PJ-Haus war es "üblich" am morgen nach den Aufnahmen durchaus auch mal der gesamte Tagesraum mit bis zu 6 Aufnahmen und der Gang mit bis zu 4 neuen Patienten belegt war. Da hat sich keiner beschwert.

Auch heute ging die Bettenplanung wegen "Langliegern" nicht auf, achja und zwei Notfälle, allerdings vom WE, die noch Betten blockieren, die anders verplant waren. Kann sowas auch nicht lösen. Kann doch keine Betten zaubern. Andere Stationen geben uns schon lange keine mehr. Deswegen habe ich das Problem auf morgen vertagt.

Vielleicht ereilt mich ja heute Nacht eine GE, dann muss ich mich morgen nicht damit ausinandersetzen. Nee, sowas sollte man sich nicht wünschen.

Doc Blog