Mittwoch, 28. Mai 2008

Jenseits vom Rand des Abgrundes

Und immer wenn man denkt, es geht nicht mehr weiter nach unten, wird man eines besseren belehrt.

Ich biete in den letzten beiden Tagen mehr Überstunden (je Tag wohlgemerkt), als ich letztendlich im Bett verbringen konnte. Fast genauso viele Überstunden wie ich tatsächlich tariflich festgelegte Arbeitszeit habe. In jeder anderen Branche ein Unding. Aber bei uns fast schon Normalität. In jeder anderen Branche würden Entrüstungsstürme losbrechen, aber hier? Nicht mal ein Danke, im Gegenteil, aber mehr dazu später.

Den Schwestern, die penibelst genau drauf achten, daß jede ihre Pause (das Wort musste ich gerade im Pschyrembel nachschlagen, aber der kennt es auch nicht) auch wirklich genau einhält, ist es piependrecksegal, ob ich in der 1., 2. 3. oder 5. (!) Überstunde mein Dasein friste. Angequatscht wird man immer, no mercy. Andersrum geht das natürlich nicht: "Nee, bin schon weg, Soundso hat jetzt die Station." Wenn ich sowas sage heißt es nur: "Ist mir egal, brauche hier eine Entscheidung." Und das sind teilweise so weltbewegende Fragen und Entscheidungen wie z. B., welches Abführzäpfchen der Pat. haben soll oder ob er mit ATS nach Hause entlassen werden kann... Achja..

Absolut und richtig motivierend war jedoch die Ansage eines OA (nachdem ich wieder zwei Funktionsbereiche alleine bestreiten muss aufgrund der Unterbesetzung), daß zur Belohnung für meine Bereitschaft, den Laden am Laufen zu halten, die neuen in der Abteilung nun operieren dürfen!! Oh, ich war so wütend! Ich wäre fast geplatzt! Was soll denn das ein Signal an mich sein? Get out! Your screwed anyways. For life, if you're staying.
Aus irgendeinem Vernunftsgrund (letzten Funken Verstand) konnte ich mein südländisches Temperament genug zügeln, um dem OA nicht an den Hals zu springen. Mamma mia, impossibile! Da fehlen mir heute immer noch die Worte.
Und dann muss ich mir noch anhören, ich stünde doch so oft auf dem OP-Plan! Ja, hallo? Ich sag' nur Nicht-Meine-OP-Operationen en masse! Aber DAS sieht natürlich wieder einmal keiner.

Ich weiß echt nicht, wohin der Wahnsinn mich hier noch führen soll. Nach allem, was ich bisher so gehört habe (teilweise klingt das ja auch aus den wenigen Feedbacks heraus), scheinen woanders ja auch keine goldenen Zustände zu herrschen. Nacher komme ich noch vom Regen in die Traufe.

Fest steht, ich werde mal meine Fühler etwas mehr in Richtung Ausland ausstrecken, wir sind doch alle Cosmopoliten, da sollten Landesgrenzen uns nicht aufhalten. Und von anderen Ländern hört man zum einen viel Gutes und - was ich viel bezeichnender finde - eigentlich nie so katastrophales, wie das, was ich jeden Tag selbst erleben kann/darf/muss/werde.

Doc Blog

Mittwoch, 21. Mai 2008

Der Fluch der "Nicht-Meine-OP-Operationen"

Heute hat es sich wieder bewahrheitet. Ich habe (aus mir unbekannten Gründen) das Pech an den Fingern kleben.

Stand heute auf dem OP-Plan, zwar bei einer etwas fragwürdigen Indikation, aber immerhin. Man ist ja um jeden Einsatz froh, no matter what.

Bis zur OP wurde ordentlich pressiert, ich habe zügig gelagert, der OA kam pronto dazu, also, wie im Bilderbuch. Habe auch noch bis kurz nach dem Hautschnitt weitermachen dürfen.
Dann klingelte im Saal das Telefon, Chef war dran und wollte den OA sprechen.
Er: "Wir machen hier gerade die OP von Doc Blog, haben gerade angefangen." - "So etwa eine Stunde, denke ich." - "Ja." - "Ja." - "Ja, sicher." - "Ja."

Habe mir gar nicht soviel dabei gedacht, war ja eigentlich auch nix negatives bei rauszuhören. Eine Minute später wollte der OA was demonstrieren und hatte dafür das Instrument in der Hand. Zwei Minuten später forderte er ein anderes Instrument an. Keine drei Minuten später wußte ich, daß es schon wieder eine "Nicht-Meine-OP"-Operation werden würde. Da hätte ich fast geschrien vor Wut.
Bin aber still geblieben (wie immer) und fünf Minuten später hat der OA sich entschuldigt und gesagt, es wäre Chef's Anordnung gewesen. Er wolle seinen nachfolgenden Punkt nicht erst um 17 Uhr anfangen (also ehrlich, Schnitt bei uns war vor 13 Uhr). Wahrscheinlich hat er gesagt, lassen sie bloß den Doc Blog nicht dran, der kann das nicht ordentlich und braucht immer ewig.

Mann Mann Mann, wo soll das denn hinführen? Kein Wunder, daß ich nicht operieren kann. Selbst wenn ich mal, was ja selten genug ist, als Operateur draufstehe, passiert wieder irgendetwas komisches und ich bin raus. Das war bereits das vierte Mal. In Folge!!! Man könnte fast meinen, das ganze hat System.
Und bis zum nächsten Mal nicht-operieren muss ich ja jetzt auch wieder ewig und drei Tage warten. Es ist echt zum aus der Haut fahren.

Grrrrrrrrrrrrrrr!
Doc Blog

Dienstag, 20. Mai 2008

Auf dem Weg nach unten

Nachdem Assistenzarzt so nett war, zu diesem Blog zu verlinken (ich hoffe, ich darf das als unwürdiger Chirurg in umgekehrter Richtung auch, sozusagen antiperistaltisch?!), sehe ich mich genötigt, hier twas Aktualität reinschneien zu lassen, i. e. mal wieder Frust abzulassen.

Problem des Problems ist, daß es aufgrund unserer massiv schlechten Besetzung einfach nicht läuft/laufen kann. Auch wenn ein Assistent die Fähigkeit zur Bilokation, wie es heute hieß, einfach beherrschen muß, sollten sich die Oberen nicht wundern, wenn plötzlich ein Saal keinen Hakenhalter hat, wenn eben jener Assi in zwei Sälen gleichzeitig auf dem Plan stand. Und wenn ich als Ersatzmann dann erst 1 Stunde vor dem offiziellen Dienstschluß rauskomme, wundert es ja auch nicht, daß Überstunden anfallen. Aber es NERVT! Sowas von.

Ich kann nicht einkaufen, Anrufe tätigen (wichtige, nicht die Art, die man im KH machen kann), meine Doktorbeit (jaaa, das böse D-Wort) bearbeiten, von beenden gar nicht zu sprechen, keinem Hobby, das regelmäßige Zeiten involviert nachgehen (welches Team stellt schon einen Spieler auf, der nur alle Jubeljahre zum Training erscheint) etc pp.
Das geht langsam an meine Substanz und heute habe ich einfach um 17 Uhr den Griffel fallen lassen und habe das Weite gesucht. Ja, sehr egoman, aber heute war's mal wieder zu viel.

V. a. finde ich es schon bedenklich, daß die Kollegen, die kaum ein paar Wochen da sind auch schon die Nase voll haben. Fehlt uns noch, daß die auch wieder kündigen.
Schon schade, daß keiner unsere Not zu sehen scheint und die Verwaltung trotz Unterbesetzug weiter die Fallzahlen der Vollbesetzung fährt. Wie soll die Stimmung den besser sein/werden, wenn die Signale von oben noch nicht einmal stimmen?!

Morgen werde ich auch wieder bis in die Puppen im OP stehen, zu nichts kommen, umpteen Überstunden machen, frustriert zu Hause ankommen und auf dem Sofa versauern. Same procedure as everyday. Und das schlimmste ist, daß ich kein Licht am Ende des Tunnels sehe. Vielmehr habe ich das Gefühl, daß wir auf dieser Spirale bergab vielleicht noch gar nicht am Ende angekommen sind?

Doc Blog

Dienstag, 6. Mai 2008

Saugen bitte!

Heute war ich auf eigenen Wunsch für einen Kollegen, der nicht gekommen ist (jaja, so läuft das hier), im OP. Die OP verlief ok, aber ich hatte wie so häufig wieder das Gefühl nur der blöde Assi zu sein. Der OA kam so pünktlich, daß er mit zu Ende gelagert hat. Also war er vom ersten Moment an dabei. Ergo konnte ich den Zugang nicht alleine präparieren. Während der ersten Phase, wo ich immer noch gehofft habe, zu präparieren, durfte ich NIX machen. Nicht mal koagulieren, nicht mal irgendwas, NUR saugen. Ich will aber auch mitspielen!

Das ganze ging so weiter und dazu dieses ständige "Saugen bitte"! Meine Güte, der Situs war so trocken wie die Wüste Gobi. Da war nichts zu saugen. Und wenn ich schon am Saugen bin, will ich nicht auch noch jede Sekunde dran erinnert zu werden, welche gewichtige Aufgabe ich da gerade verrichte. Keine Sorge, ich saug' schon.

Außerdem kann und will ich nicht für jede Sache, die in diesem Krankenhaus schief läuft verantwotlich gemacht werden. Kann ja nicht für alles was. Das habe ich dem OA heute auch ziemlich deutlich und lautstark gesagt. Wahrscheinlich haßt er mich jetzt und ich habe für alle Ewigkeit ausgeschissen.

Gerade jetzt laufen Dr. House und Chicago Hope parallel und ich kenne tatsächlich schon beide Folgen. Hoffe mal, das wird morgen mit emergency room nicht so sein. Mein letzter Lichtblick...
Dabei fällt mir eben auf, daß ich Dr. House offensichtlich noch nie auf deutsch gesehen habe, schon komisch mit diesen Stimmen. Aha, Cameron fehlt Chase... Und mir fehlt der australische Akzent von Chase, bleibe ergo weiterhin bei Fox im Original.

Doc Blog