Dienstag, 20. Mai 2008

Auf dem Weg nach unten

Nachdem Assistenzarzt so nett war, zu diesem Blog zu verlinken (ich hoffe, ich darf das als unwürdiger Chirurg in umgekehrter Richtung auch, sozusagen antiperistaltisch?!), sehe ich mich genötigt, hier twas Aktualität reinschneien zu lassen, i. e. mal wieder Frust abzulassen.

Problem des Problems ist, daß es aufgrund unserer massiv schlechten Besetzung einfach nicht läuft/laufen kann. Auch wenn ein Assistent die Fähigkeit zur Bilokation, wie es heute hieß, einfach beherrschen muß, sollten sich die Oberen nicht wundern, wenn plötzlich ein Saal keinen Hakenhalter hat, wenn eben jener Assi in zwei Sälen gleichzeitig auf dem Plan stand. Und wenn ich als Ersatzmann dann erst 1 Stunde vor dem offiziellen Dienstschluß rauskomme, wundert es ja auch nicht, daß Überstunden anfallen. Aber es NERVT! Sowas von.

Ich kann nicht einkaufen, Anrufe tätigen (wichtige, nicht die Art, die man im KH machen kann), meine Doktorbeit (jaaa, das böse D-Wort) bearbeiten, von beenden gar nicht zu sprechen, keinem Hobby, das regelmäßige Zeiten involviert nachgehen (welches Team stellt schon einen Spieler auf, der nur alle Jubeljahre zum Training erscheint) etc pp.
Das geht langsam an meine Substanz und heute habe ich einfach um 17 Uhr den Griffel fallen lassen und habe das Weite gesucht. Ja, sehr egoman, aber heute war's mal wieder zu viel.

V. a. finde ich es schon bedenklich, daß die Kollegen, die kaum ein paar Wochen da sind auch schon die Nase voll haben. Fehlt uns noch, daß die auch wieder kündigen.
Schon schade, daß keiner unsere Not zu sehen scheint und die Verwaltung trotz Unterbesetzug weiter die Fallzahlen der Vollbesetzung fährt. Wie soll die Stimmung den besser sein/werden, wenn die Signale von oben noch nicht einmal stimmen?!

Morgen werde ich auch wieder bis in die Puppen im OP stehen, zu nichts kommen, umpteen Überstunden machen, frustriert zu Hause ankommen und auf dem Sofa versauern. Same procedure as everyday. Und das schlimmste ist, daß ich kein Licht am Ende des Tunnels sehe. Vielmehr habe ich das Gefühl, daß wir auf dieser Spirale bergab vielleicht noch gar nicht am Ende angekommen sind?

Doc Blog

Kommentare:

Nico hat gesagt…

Hm, das klingt fast so als ob ich es mir nochmals sehr gründlich überlegen sollte nächstes Jahr mit dem Medizinstudium zu beginnen.

Doc Blog hat gesagt…

Hmm, tja, schwierige Kiste. Ich denke, solange man weiß, worauf man sich einläßt und sich vorher wirklich informiert und sich der Konsequenzen für das Privatleben bewußt ist, warum nicht?
Ich habe das alles vielleicht ein wenig unterschätzt oder bin einfach an einer extremen Klinik gelandet. Woanders wird es sicherlich besser sein. Denke ich. Hoffe ich.
Wo denn? Bitte melden, wenn es das wirklich gibt!

Doc Blog

chevrontwosix hat gesagt…

Oh Mann, ihr Klinkikärzte habt mir schon immer leid getan, es kommt ja alle paar Jahre immer wieder mal ein Bericht in den Medien über Überarbeitungen, Personalknappheit etc. Aber das hier jetzt noch einmal konkret zu lesen, macht mich ärgerlich. Was sind das für Klinikchefs und "Leiter", die ihre Leute so aussaugen? Ich arbeite auch in einer Branche, wo es der Leitung ziemlich egal ist, ob man hundert Überstunden vor sich her schiebt oder im Bereitschaftsdienst stundenlang auf den Beinen ist. Aber wenn einem dann ein Fehler passiert, dann bekommt man am nächsten Tag gleich eine "netten" Ermahnung. Mein Glück, dass ich nicht für die Gesundheit von Leuten verantwortlich bin. Hut ab, dass ihr eure Arbeit mit all dem Stress und unter widrigen Umständen erledigt!

Tommy hat gesagt…

ich kenne das spiel... zwar aus einer anderen sicht, aber auch da geht es ständig drunter und drüber. und unseren ärzten geht es genauso. dachte, du schreibst nen bericht von meiner station ;o)

Doc Blog hat gesagt…

Als ich das erste Mal Scrubs im Fernsehen gesehen habe, dachte ich: "Meine Güte, wie albern und überzogen." Damals war ich noch Student.
Heute lebe ich Scrubs, jeden Tag aufs Neue...

Doc Blog

Monika Armand hat gesagt…

Ich kenne Ihr Unglück von der anderen Seite ;-) und habe sehr viel Mitgefühl. Eine Sauerei finde ich, dass die Verwaltungsapparate zunehmend Personal aufbauen, während im Pflegebereich das Gegenteil geschieht.

Patienten und Gesundheitspersonal müssen das Dilemma ausbaden. Es geht auf Kosten beider Parteien. Vermutlich kann man heute nicht Arzt werden, wenn man nicht eine riesige Portion Menschliebe und eine überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft mitbringt.

Für den Beruf heißt das wohl: An erster Stelle steht nicht der Ehepartner, sondern der Beruf...an zweiter Stelle Beruf...an dritter Stelle Beruf...an vierter Stelle Beruf...an x-ter Stelle Partner und irgendwo ganz hinten vielleicht einmal Kinder... Dazu braucht es einen Partner, welcher das versteht und zulässt, den Rücken für den Beruf freihält....

Ich wünsche Ihnen viele dankbare Patienten, welche Ihren Einsatz zu schätzen wissen und Sie spüren lassen, wie wichtig Sie sind....Denn Patienten brauchen eigentlich ausgeruhte und verständnisvolle Ärzte und keinen künstlich ausgeweiteten Verwaltungsapparat......und Ärzte brauchen dringend die Anerkennung für ihren hohen Einsatz...damit wenigstens irgendwo die Seele noch im Gleichgewicht bleiben kann....

Beste Grüße
M.A.
http://forum-gesundheit.blogspot.com