Montag, 30. Juni 2008

Grandi catastrofi...

Da kommt man nach einiger (wohlverdienter und hoffentlich auch -investierter) Zeit wieder zurück zur Arbeit und - PENG- ist man auch zurück in der Realität. Da jagt eine Katastophe die andere, es gibt kein Licht am Ende des Horizonts (oder wie heißt das jetzt genau) und prinzipiell fühle ich mich innert weniger Minuten wieder, wie, ja wie...
Ich habe das Gefühl, was auch immer ich tue, es ist nie genug, was ich auch anfasse, es läuft suboptimal, unsere Bemühungen, den Laden am Laufen zu erhalte, werden entweder tatsächlich nicht gesehen oder ignoriert etc. pp.

Einige Beispiele?

Während 30 Minuten Gespräch mit der Pat. fragte sie mich mehrfach, was denn ihr Problem sei (Gute Frau, so richtig wissen tut das bei Ihnen wohl keiner, ich denke aber es liegt zwischen den Augen...) und was dagegen zu tun sei und ich habe diese Fragen auch immer wieder beantwortet. Habe ihr die Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt, die konservative Schiene angeleiert und ihr alles ausführlich erklärt. Quintessenz? Eine Stunde später beschwert sie sich bei der Schwester, es würde sich "keine Sau" um sie kümmern, sie wäre vollkommen verlassen, hat keine Ahnung, was nicht stimmt und Schmerzmittel kriegt sie ebensowenig wie eine Diagnose. Ja nee, ist klar...

Nach drei Überstunden meinerseits (und tatsächlich nicht des betreffenden Oberarztes) habe ich im OP wegen einer zugegegben nichtigen Frage angerufen. Ich wurde dem OA ans Ohr durchgestellt und bevor ich irgendetwas sagen konnte, meinte er nur: "Nein!". -"Äh? Ja, aber..."
"Nein!" Gut, ok, wenn er es nicht wissen will, dann lege ich eben einfach unverrichteter Dinge wieder auf. Ts...

Die vier Überstunden heute sind auch nur zustande gekommen, weil sich ein Kollege (praktischerweise der Spätdienst) ultra kurzfristig krankgemeldet hat, und ich deshalb seinen Dienst absitzen konnte. Und dann nach der 3. Überszunden nach gutgelaut sein? Nee, ist nicht. Nicht mit Doc Blog Da hilft auch keine Schoki.

Zusammenfassend komme ich mir vor wie Don Quixote, der verzweifelt gegen die Windmühlen kämpft, aber schon vor Beginn seiner Schlacht zum Scheitern verurteilt ist. Was dem wackeren Adeligen die vermeintlichen Riesen sind mir/uns die Unmengen an Pat. und Akten, die, während uns die Oberen im Nacken sitzen, zu aller Zufriedenheit abgearbeitet werden müssen.
Fast schon eine Catch22-Situation.

Fazit, nach 13 Stunden Arbeit nach etwas prolongierter Ruhephase: Ich bin schon wieder am Ende, müde, unzufrieden und fühle mich krank (was nicht nur damit zu tun hat, daß ein fachfremder OA mir heute eine OP nahegelegt hat) und sehe zur Zeit wieder mal/immer noch keine Perspektiven in diesem Haus.

Was wiederum dazu geführt hat, daß ich mich in meiner Zeit der Abwesenheit "umgesehen" habe. Und wer guckt, der findet. Nur leider bin ich weiterhin lethargisch und aufgrund familiärer Beziehungen doch etwas sehr gebunden. È molto complicato!

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Mittwoch, 18. Juni 2008

Mein Traum

I had a dream. I had a dream that every doctor is created equal...

Quatsch, naürlich war mein Traum heute Nacht viel profaner. Habe geträumt, ich hätte mit zwei Oberärzten gleichzeitig operiert, bzw. ich war der Operateur und die beiden die Assistenten. Und beide haben mich aber sowas von total gelobt, wie toll ich das alles machen würde. Dabei war ich in dem Moment, als einer der beiden das sagte, doch nur beim Koagulieren ?! Was will mir dieser Traum sagen? Außer, daß ich tief in meinem Innern doch noch die Hoffnung hege, vielleicht mal ein Großer zu werden?
Fact ist, die OP, für die ich heute extra gekommen bin, lief gar nicht mal so optimal. War ein anderer OA als die letzten Male, der hatte bei der Visite auf Station vorher schon so einen massiven Druck gemacht. Stand eigentlich der andere drauf, keine Ahnung, warum das mal wieder geändert wurde. Naja, der OP-Plan ist ja eh nur grober Anhaltspunkt.

Der OA war trotz allem aber recht geduldig, zumindest hat er sich merklich zusammengerissen. Am liebsten hätte er mir alles aus der Hand genommen, ach was, gerissen (aber er hat sich beherrscht, zumindest teilweise).
Kann ich ja fast verstehen, bei mir dauert das eben etwas länger. Aber was soll ich machen? Das ärgert mich ja selber. Bin immer noch sowas von unsicher, fange ungern alleine an (obwohl ich das alles ja nun wirklich hunderte von Malen gesehen habe und in der Theorie ja ALLES weiß! Jeden einzelnen Schritt!), aber alleine? Uiuiui, das ist ja dann doch ein ganz anderes Kaliber.
Stelle mir immer vorher vor, das alles super souverän zu machen, aber das klappt dann gar nicht. Heute war es eine minimalst (!) veränderte Anatomie, die mich ein wenig off track geworfen hat. Und dann war der OA auch schon da. Nix mit Glänzen und souverän und "ach, klasse, daß Du schon so weit bist". Das führt alles nur dazu, daß ich mir selber total im Halse stehe. Habe im Endeffekt auch nur 50% der OP machen dürfen, bis zur Subkutannaht hat er mir dann noch auf die Finger geschaut (um dann wohl recht zufrieden abzudampfen). Und dieser blöde Faszienfaden, Mann, das die Dinger immer so in die Finger schneiden. Habe ich auch schon lange nicht mehr gehabt. Sehe das jetzt mal als Zeichen an, daß die Faszie tatsächlich zu ist.

Tja, und danach? OP war ja nicht der ganze Tag. Danach war ich tatsächlich nicht einsetzbar, obwohl ich ja wider Erwarten doch da war. Vor allem wider eigenes Erwarten *gequältgrins*.
Ich hatte auf meiner Station noch zwei schwierige Fälle zu besprechen und musste sie noch dem Chef vorstellen. Der hat mich dann auch runterbestellt und dann, obwohl er wußte, daß ich warte, fast 2 Stunden (von denen ich tatsächlich eine erhebliche Zeit in seinem Büro gesessen und gewartet habe! - man will ja nicht, daß Chef sonst auf einen warten müsste) hängen lassen und ist (absichtlich? denke eher nicht) einfach nicht aufgetaucht. Bin fast rasend geworden, zumal ich ja einen Termin um 15.00 (also innerhalb meiner eigentlich nicht stattfinden solltenden Dienstzeit hatte) abgemacht hatte, den ich ernsthaft in Gefahr gekommen sah.
Habe aber dann einen Kollegen instruiert und habe (ohne Pat.vorstellung) das Haus verlassen und es gerade so eben zum Termin geschafft.

Mann! Heute war doch mein freier Tag!

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Dienstag, 17. Juni 2008

a.-p. einmal quer durch Deutschland

Morgen habe ich eigentlich (geplant) frei oder besser gesagt, morgen hätte ich eigentlich (geplant) frei gehabt, der Irrealis ist hier die passendere Form.

Nachdem ich bis 14.30 Uhr im OP stand und dann irgendwann später einem OA über den Weg gelaufen bin, hat er mir (vorm Pat.) eröffnet, daß ich diesen ja morgen mit OA operieren würde. Soso... Ich mit OA, oder OA mit mir? Der kleine, aber feine Unterschied. Außerdem... "Ich habe morgen doch frei." Das haben alle nur schulterzuckend (wenn überhaupt) wahrgenommen.
Gut, nachdem ich dann endlich einen OP-Plan (gar nicht soo einfach in einer operativen Abteilung, wie es scheint) aufgetrieben habe, stand tatsächlich mein Name als Operateur da. Tja, was tut man dann? Einfach mal akzeptieren, daß ich dann wohl morgen kein frei haben werde. Was tut man nicht alles für operative Ausbildung. Ist ja auch nicht das erste Mal, daß ich für eine (eigene) OP in meiner Freizeit in die Klinik komme.

Dabei kann ich mich momentan was das Operieren angeht eigentlich kaum beschweren. Wenn es einen Assi gab, der in dieser Woche dran war, dann ich. Montag OP, heute assistiert, bis die Schwester bei der Verbiegung des OA über den OP-Tisch meinte: "Das kann doch auch Doc Blog machen, der steht doch viel günstiger" (vielen Dank!), und dann eben diese OP gewonnen ("Na, dann machen sie es jetzt aber auch anständig zu Ende!") und morgen schon wieder. Na, wenn das mal so weitergehen würde. Allerdings bin ich ab Do dann erstmal draußen und z. T. gar nicht im Hause. Hoffe, die haben mich bis zu meiner Rückkehr dann nicht vergessen.

Habe mich ja auch schon anderweitig "unentbehrlich" gemacht, lol, habe nämlich immense EDV-Kenntnisse unter Beweis gestellt, die alle, incl. Chef beeindruckt haben. Wurde daraufhin auch sofort für nichtmedizinische Arbeiten abgestellt. Aber wer weiß, wozu das gut war.

Und der Titel dieses Posts? Da ich mich ja etwas gen Down Under informiert habe und bei uns im Arztzimmer einer Weltkarte hängt (ungefähr mit der gleichen Message wie die Palme in der Cafeteria meines PJ-Hauses), mussten wir gleich mal die guten und interessanten Ecken unter die Lupe nehmen. Neben C. Catastrophe (C = Cap?), das wir allerdings aussortiert haben, finde ich Fraser Island und Adelaide interessant. Als wir dann auf Queensland stiessen (von dort stammte eine Stellenausschreibung mit einem Angebot von immerhin 2000 AUS$ pro Tag (!)), meinte er, die Entfernungen dort unten seien doch nicht zu unterschätzen, Queensland - Fraser Island sei einmal Deutschland a.-p.
Quod esset demonstrandum, oder?

Doc Blog

Donnerstag, 5. Juni 2008

Wenn der OA dreimal klingelt...

Es kommt in regelmäßigen Abständen vor, daß einer der Oberen (immer zur selben Zeit) versucht, einen der Unteren telefonisch zu erreichen (und es geht immer um dasselbe Problem: abturfen von Arbeit). Deshalb wußte ich direkt Bescheid, als im Arztzimmer das Telefon beharrlich klingelte. Bin natürlich nicht dran gegangen, sondern erstmal ins Badezimmer. Von dort zurückgekommen, hörte ich es wiederum klingeln, aber musste ja in die Ambulanz. Na, und dort traf es mich dann doch. Einer der anderen Oberen fing mich ab und bugsierte mich flugs in die entgegengesetzte Richtung, um eben jene Aufgabe zu erledigen, vor der ich mich fast hätte drücken können.
Gut, das war sicherlich keine Katastrophe, sondern nur etwas Mehrarbeit. Ich habe es ja überlebt.

Ich dürfte gestern wieder operieren, und diesmal ließ mir der Oberarzt komplett freie Hand und ich durfte fast 2 Stunden "werkeln". Da danach erst die Hälfte der OP (hoppla!) geschafft war, habe ich das Zepter dann großzügig dem OA übergeben. Auf jeden Fall hat es klasse Spaß gemacht. Und der OA hat betont, daß er eine gute operative Ausbildung für seeehr wichtig hält. Na, wenn das mal weiter propagiert werden würde...

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Montag, 2. Juni 2008

Ein Schritt zurück vom Abgrund

An manchen Tagen kann man sich einfach nur wundern. Wirklich wundern und am Kopf kratzen und fragend in die Runde blicken. Heute ist einer dieser Tage. Die Entwicklungen der letzten Stunden "leave me flabbergasted".
Insbesondere verwundernswert ist die Tatsache, daß heute ohne Ausnahme ALLES positiv gelaufen ist. Da fragt man sich ja fast schon, ob man bei der versteckten Kamera aufgelaufen ist oder daß dies nur die Ruhe vor dem Orkan sein kann.

Nunja, als Ambulanzarzt hatte ich heute (bei freiwillig übernommenem Dienst, also denen, die meist ganz brutal abgestraft werden) eine fast schon ruhige Kugel, die Frequentierung hielt sich in Grenzen und ich war pünktlich fertig. Zwischendurch hatte ich sogar Zeit, mich um "andere" Dinge, wie Arzttermine, Literatur etc. zu kümmern.

Gipfel des Tages war allerdings, daß mein Chef sich persönlich (und aus eigenem Antrieb) bei mir für den Einsatz der letzten Tage gedankt hat! Das wäre keine Selbstverständlichkeit und durch meine Hilfe sei alles sehr reibungslos und gut gelaufen. Das fand ich doch mal nett.
Und keine zwei Sekunden später bot er mir Hilfe an, wenn ich Probleme mit den zu bescheinigenden Unterlagen für den FA haben sollte, er würde auch meinen früheren Chef anrufen (ob ich das richtig verstanden habe?) und da würde sich schon ein Weg finden.
Erstaunlich, aber meinerseits durchaus willkommen. Wußte zwar, daß mein Einsatz seitens eines OA weitergegeben worden war, aber ein solches Feedback hätte ich nicht erwartet.

Ich war auch (fast) pünktlich draußen, konnte einiges von meiner Liste abarbeiten und habe den Abend genutzt, mal ein wenig zu "schlemmen": Gut, so lecker war die Tiefkühllasagne nicht, aber hatte ja nach dem WE auch sonst nichts mehr da, was so richtig lecker gewesen wäre.
Aber zum Nachtisch wird es gleich noch Mövenpick Crème brulée geben, das Eis hat mich in der Schweiz schon Kopf und Kragen (und meine passenden Hosen) gekostet.
Fazit: Wenn es so weitergeht, kann ich mich wohl nicht mehr beschweren.

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