Donnerstag, 4. Februar 2010

Und mal wieder einer kaputtkontrolliert...

Blutentnahmen gehören zum täglichen Geschäft eines Arztes, Chirurgen toben sich da ganz gerne bei den postoperativen Patienten aus, muss man ja schließlich wissen, wann der Hb ins Bodenlose fällt oder der CRP-Wert ungeahnte Höhen überschreitet.

Normalerweise sollen die Patienten ja nicht nur wegen der VWD und DRG frühestmöglich nach Hause, gerade im Winter sollte man sie eigentlich nach Hause schicken, sobald die Laborwerte einigermaßen koscher sind.

Ich weise da nur aus aktuellen Anlass drauf hin: Junger Patient 18 Jahre nach Osteosynthese, Labor komplett blande. Dann kommt Doc Blog auf die unschlagbare Idee, "noch mal eine Routinekontrolle vor Entlassung" zu machen, am 10. Tag.

Und zack! Der CRP-Wert hat sich verzehnfacht. Einfach so. Wunde gut, Thorax gut, Pipi gut, alles gut. Der Patient hat doch nix. Oder doch? Ihm geht's doch gut... Sagt er jedenfalls.

Was tut man in so einer Situation?

a) Den kaputtkontrollierten Wert so lange aggressiv überprüfen, bis der CRP wieder in normale Bahnen gelenkt werden kann

b) Nix machen und dem eigenen guten Gefühl vertrauen (und den Pat. postwendend nach Hause schicken, bevor der CRP weitere Spirenzken machen kann)

c) In einem Blog informierter Fachkräfte Hilfestellung suchen

Doc Blog

Kommentare:

chefarzt hat gesagt…

Den Hausarzt den CRP-Wert überprüfen lassen. Oder per Zeitmaschine die Blutabnahme rückgängig machen.

Doc Brown hat gesagt…

Mein Beleid ;) Ich würde vor Entlassung niemals noch Labore machen ;)

Jogurtbecher hat gesagt…

Bin zwar kein Arzt aber man sollte immer Augen auf alle Auffälligkeiten haben.
Wenn es den Patienten soweit gut geht, denke ich schon das man ihn nach Hause schicken kann mit der Aufforderung sich bald wieder beim Hausarzt zu melden zwecks Blutentnahme.
Zudem einen Patienten immer versichern das er bei Auffälligkeiten einen Arzt aufsuchen soll.

EarlMobile hat gesagt…

Nochmal die klinischen Zeichen checken - was ja getan wurde - und dann in die hausärztliche Verantwortung geben; da würde ich dem Cheffe zustimmen.
Ein serologischer Befund ist nunmal ohne klinisches Bild nicht mal die Hälfte wert.

medizynicus hat gesagt…

Erstmal natürlich nochmal richtig untersuchen (können Chirurgen doch,oder?): Fieber? Puls? Lymphknoten, Tonsillen, Ohren, Lunge, Bauch... dann Sono Abdomen, Rö-Thorax... wie sieht das restliche Labor aus? hat er außer CRP noch erhöhte Leukos? Senkung? Blutkulturen? deutet irgendwas auf beginnende Osteomyelitis hin?
(ansonsten: internistisches Konsil... ;-)

Assistenzarzt hat gesagt…

Haha... den Internisten fragen... CRP ist doch nur Akute Phase, ist das post-OP nicht immer erhöht? Dann würd ich die Leukos checken und genau fragen: Husten, Schnupfen, die üblichen Winterkeime etc...? Und den Satz in den Brief: "Wir sahen eine CRP-Erhöhung auf soundsoviel, jedoch keine klinischen Infektionszeichen, daher bitte CRP im Intervall kontrollieren und auf den klinischen Verlauf achten." ... Internisten holen... neeee... deswegen hab ich immer soviele Konsile im Dienst...

Doc Blog hat gesagt…

Keine Sorge, habe den Internisten nicht geholt. Aber es stimmt, das wir das bei unklarem Focus machen. Blöd war halt eben, daß der Patient schon seinen Rückflug (!) für diesen Tag gebucht hatte.
Das CRP war bei ihm schon bei den letzten Kontrollen normal,und er hatte klinisch gar NIX.
Ist trotzdem ein komisches Gefühl, jemanden mit so einer deutlichen (grundlosen?) CRP-Erhöhung loszuschicken.
Habe ihm aber alles genau eingetrichtert, was er tun soll, am nächsten Tag zum HA, Brief geändert etc.
Daß ich seitdem von ihm nichts mehr gehört habe, sehe ich mal als gutes Zeichen. Er kam aber auch nicht aus der Gegend.

Doc Blog