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Über mich

Aus naheliegenden Gründen kann und möchte ich meine Identität nicht preisgeben, sondern weiter in Anonymität arbeiten.
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Dienstag, 4. November 2008

Alles zurück auf Anfang...

So vergeht die Zeit, mein phantastischer Urlaub ist tatsächlich wieder vorbei und ich bin wieder in Deutschland.
Und jetzt arbeite ich auch schon wieder. Tja, was soll ich sagen? Manche Dinge ändern sich nie, scheint es. Die gleiche Plackerei, der bekannte Stress, die unnötigen Aueinandersetzungen, da ist die gute Erholung ist schnell dahin. Das geht hier ratzfatz!

Aber es gab auch positive Meldungen. Einige haben sich tatsächlich gefreut, mich wiederzusehen. Schwestern, die mir mit Freudentränen um den Hals gefallen sind. Naja, nicht ganz, aber doch sehr herzlich. Daß mir keiner der Oberen um den Hals gefallen ist, muss ich kaum erwähnen, oder?
Aber *unter der Hand* wurde mir auch gesagt, daß im OP nach mir gefragt wurde und die Jungs sich angeblich gefreut haben, zu hören, daß ich wieder da bin. Zu schön, um wahr zu sein?

Das, was mich momentan wirklich stört, ist nur, daß offensichtlich alle anderen in meiner Abwesenheit kräftigst operiert haben. Auch die ganz neuen. Die dürfen OPs machen, die sie tatsächlich noch nicht einmal gesehen haben. Hmm... Das gibt mir ein wenig zu denken. Ist schon eine komische Strategie, die hier gefahren wird.

Aber Jammern bringt ja auch nichts. Arbeiten muss ich, sonst ist kein Geld für den Urlaub nächstes Jahr da.

Doc Blog

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Über andere Gesundheitssysteme

Ich befinde mich ja immer noch im Urlaub, musste mich aber in letzter Zeit aus aktuellem Anlass auch wieder mit medizinischen Dingen beschäftigen. Kenne ja leider immer noch keinen Arzt hier, den ich über die hiesigen Gepflogenheiten genau ausquetschen könnte. Vielleicht morgen, wenn/falls ich mit ins Krankenhaus gehe.
Mein Onkel soll sich morgen einer von langer Hand geplanten elektiven Operation unterziehen. Im Gegensatz zu Deutschland wird diese kleine Sache sogar als ambulante Geschichte laufen (zumindest wüsste ich nicht, dass chirurg. Kliniken in D das ambulant machen würden).

Heute kamen wir wieder auf dieses Thema zu sprechen. Einen Arzt hat er nur einmal ganz kurz zu Gesicht bekommen, als dieser die Indikation stellte. Ich fragte ihn dann nach seiner OP-Aufklärung und er meinte, ja die hätte er unterschrieben. Ja, schon klar, aber wurde er auch aufgeklärt? Ich frage das nur, weil meine Aufklärungen immer ewig viel Zeit in Anspruch nehmen.

Aufklärung? Wie? Was?
Nein, es wurde ihm nur der Bogen zur Unterschrift hingelegt, unterschreiben Sie hier und wir operieren Sie, oder Sie lassen es bleiben! Da war ich erstmal baff.

Theorie meiner Tante war, dass er vielleicht morgen früh aufgeklärt wird, nach der Anästhesistenaufklärung. Wie? Anästhesiologisch ist er also auch noch nicht aufgeklärt worden? Die Tatsache, dass in D zwischen Aufklärung und Unterschrift 24 Stunden und eine Nacht liegen müssen, ist hier gänzlich unbekannt.

Theorie meines Onkels war, dass keine Aufklärung erfolgte, weil er ja selber weiß, dass Blutungen und Infektionen passieren können.

Hmm, sicher kann ich davon ausgehen, dass 90% meiner Appendizitis-Patienten wissen, dass es zu Infektionen und Blutungen kommen kann. Von einer Peritonitis werden aber 90% noch nie etwas gehört haben, von den möglichen Folgen einer Bauchfellentzündung und den Revisions-OPs ganz zu schweigen. Und was ist mit Bauchdeckenabszeß? Der Notwendigkeit eines (temporären) Anus praeters (man weiß ja nie)? Und dem allseits beliebten TET (Thrombose, Embolie, Tod)? Jeder meiner App.-Patienten hat die komplette Aufklärung bis jetzt bekommen. Und das wäre ja sogar noch relativ zu sehen, weil man Appendizitis als Notfall-OP laufen lassen könnte.

Aber hier? Gar nix an Aufklärung. Null! Kann das sein?

Was zu einer weiteren wichtigen Frage führt.
Was machen die Ärzte hier eigentlich?

Blutabnehmen und Braunülen legen machen (wie in jedem anderen Land außer D) natürlich die Schwestern (und muss ich erwähnen, dass zur Erlangung des Doktortitels keine Doktorarbeit nötig ist)? Auch Ultraschall und Co. werden durch Ultraschallspezialisten (die keine Ärzte sind) durchgeführt. Aufklärungen fallen ja wohl auch weg. Und angeblich werden die Arztbriefe auch nicht von den Ärzten gemacht (bin ja mal gespannt, ob er morgen was mitbekommt). Also wirklich, womit verbringen die Ärzte hier ihre Zeit? Langweilen die sich nicht?

Was würde ich machen, wenn all das lästige Blutabnehmen, Dokumentieren und Aufklären wegfallen würde? Wäre das wirklich ein Paradies für Chirurgen? Würde ich dann tatsächlich meine Zeit nur noch mit Operieren verbringen dürfen abgesehen von Indikationsstellungen? Zu schön, um wahr zu sein.

Vielleicht hat mich das ganze deswegen so sauer gemacht? Ich persönlich halte nämlich die Aufklärung für eine der wichtigsten ärztlichen Tätigkeiten. Immerhin sind wir invasiv am Pat. tätig, der uns voll und ganz vertraut. Wir schulden ihm doch die Aufklärung. Sonst kann er uns doch nicht vertrauen können, wenn wir ihm nicht alles, aber auch wirklich alles darüber erzählen? Oder liege ich damit falsch?

Und ist das der Grund, warum dies hier gar nicht wirklich wichtig genommen wird und die Ärzte tatsächlich nur medizinische Tätigkeiten wahrnehmen und wahrscheinlich über ihre deutschen Kollegen lachen. Die Ärzte scheinen zumindest mit ihrer Methode hier sehr gut zu fahren. Sowohl was die monetäre Schiene angeht als auch die Arbeitsbelastung betrifft.

Auf meine Frage, was die Ärzte hier denn machen, antwortete mein Onkel übrigens: "Na, sie schneiden mich auf, das ist doch was."

Ja, und da liegt dann wohl der Unterschied zu einem deutschen chirurg. Assistenzarzt.

Doc Blog

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Doc Blog ist (auch) on tour

Doc Blog ist momentan nicht arbeitend (und das ist auch gut so), sondern treibt sich sonst wo in der Weltgeschichte rum.

Nachdem sich bereits Assistenzarzt in fremde Gegenden gewagt und ausführlich darüber berichtet hat, dachte ich mir, vielleicht kann ich das auch.

Um es nicht ganz so einfach zu machen, werde ich allerdings mein Reiseziel nicht so ohne weiteres preisgeben, es bleibt sozusagen ein Ratespiel.


Nach einigen Stunden Flug war ich angekommen, es war ausgesprochen heiß, die Palmen am Flughafen verhießen schon beste Urlaubsstimmung und das Warten am Flughafen auf die Koffer war auch akzeptabel. Aus irgendwelchen Gründen konnten wir erst ab 17 Uhr in unser Hotelzimmer, so dass wir erstmal mit dem Mietwagen ins karge Hinterland gefahren sind und gut gegessen haben. Das Hotelzimmer war ok, die Klimaanlage mal wieder zu kalt und die Gegend wartete nur darauf erkundigt zu werden, Essen gab es bei einem sehr leckeren Italiener, sogar zu humanen Preisen und in der Stadt selbst gab es extrem viel zu sehen.

Die Einwohner dieses Landes sind m. E. sehr gastfreundlich und auf die Wünsche der Touris eingehend. Gerade meine Familie (wie bereits mal erwähnt, besuche ich die dort regelmäßig) ist auch sehr – hmm, extrovertiert wäre wohl das Wort und überschwänglich, gleichzeitig aber auch ein wenig festgefahren und unflexibel (aber auch das halte ich für typisch, erstmal das ablehnen, was man nicht kennt). Trotzdem hatte ich bis jetzt viel Spaß. Leider konnte ich aufgrund Zeitmangel und vollgepacktem Ausflugsplan den Pool nicht nutzen, allerdings hatte unser Hotel auch nur einen Standardpool ohne Gegenstromanlage oder Wellenbad. Und das Meer war leider viel zu weit weg.

Interessant auch das Nachtleben, da werden einem nämlich von (prä)pubertären Jungs gleich in Massen die Bilder und Nummern williger Frauen in die Hand gedrückt. Und das an jeder Straßenecke. Also wirklich, wo sind wir denn hier?

Insgesamt fühle ich mich hier aber sauwohl, die Arbeit ist weit weit weg und ich erhole mich definitiv sehr gut. Diesen Urlaub (der noch nicht zu Ende ist) habe ich wirklich dringend gebraucht. Morgen geht es erstmal auf Familienbesuch und dann gibt es noch diverse Freunde aus alten Zeiten, die ich wieder sehen möchte. Wenn ich nur so ohne weiteres könnte, würde ich hier gerne arbeiten. Leider ist keiner der Familie/Freunde Arzt, den ich über die genauen Details über das Berufsleben ausquetschen könnte.

Egal, erstmal noch gut erholen und dann weitersehen,
Doc Blog
(mittlerweile nicht mehr unter Palmen, aber immer noch im Urlaub)

P.S.: Nochmal eine Frage, vielleicht ist anderen Kollegen dies auch aufgefallen. Meine Haut ist ungemein trocken, das kenne ich gar nicht. Kann es sein, daß mir vielleicht die diversen Desinfektionsmittelchen fehlen (und es nicht nur am anders aufbereiteten Wasser liegt)? Bin ich schon ein Abhängiger? Musste mir sogar eine Handlotion kaufen und komme mir ausgesprochen blöd damit vor.

Dienstag, 23. September 2008

Quo vadis...?

Heute abend 18.30 in einem mittelgroßen deutschen Supermarkt.

Doc Blog steht bewaffnet mit Pizza und Parmesan an der Kasse. Vor mir ein Mann, ca. Mitte 40, nicht wirklich gepflegt aussehend. Dabei ein kleiner Junge, ca. 8 oder 9 Jahre alt, offensichtlich sein Sohn, zumindest gut bekannt mit dem Mann.

Der Junge deutet auf die verschiedenen Artikel an der Auslage, zeigt auf Schokolade und Kaugummis, möchte aber nichts davon haben. Dabei wird er von dem Mann "geneckt", m. E. recht laut und distanzlos, aber der Junge hatte seinen Spaß.

Dann nahm der Mann eine kleine Flasche Korn aus dem obersten Regal, legte sie aufs Band und meinte: "Das können wir ja auch nochmal mitnehmen."
Junge: "Wie heißt das?"
M: "Berentzen."
J: "Heißt das wirklich Berentzen?"
M: "Berentzen oder so. Da gibt es viele Namen. Nenn es Steckrüben. Sag' Mama, ich habe Steckrüben gekauft. Haha..." (War natürlich ein Noname Produkt)
J: "Steckrüben? Das sind keine Steckrüben."
M: "Kannste Mama aber sagen."
J: "Hmm. Das ist Bier!"
M: "Das ist doch kein Bier, das ist... Hustensaft."
J: "Haha, das ist doch kein Hustensaft."
M: "Doch, natürlich, kannst Du mir glauben."
J: "Dann gib mir, ich habe auch Husten." (Und hustete recht überzeugend).
Der Vater wies seinen Sohn dann an, den Geldschein der Kassierin zu geben, nahm noch Filter oder sowas für Zigaretten mit (war ziemlich billig) und dann war ich dran.

Ich sah beim Rausgehen aus dem Laden noch, wie die beiden zu ihren Fahrrädern gingen und die Sache war für mich erledigt. (Dachte noch, gut, immerhin fährt er kein Auto.)

Aber dann, an der ersten Ampel, da wartete der Junge auf seinem Fahrrad auf grün, der Vater stand, das Fahrrad zwischen den Beinen und kippte sich den Korn rein! 18.45 Uhr ! Während der Sohn (?) dabei war! Am hellichten Tag und in der Öffentlichkeit. Und warf die leere Pulle dann an die Hauswand...

Also, da fehlen mir echt die Worte.
Dieser arme Junge, der zugegeben nicht besonders gewitzt klang, aber hey, wen wundert das? Was sind das wohl für Bedingungen, unter denen der aufwachsen muss? Kenne weder ihn noch seine Familie, obwohl der Laden direkt in der Nähe meines Hauses liegt und in der Klinik waren die beiden in meinem Dienst auch noch nicht.

Aber rückblickend war der Vater (?) im Laden wohl schon betrunken, was die distanzlose Art erklärt. Er scheint Alkohol gewöhnt zu sein, was die noch recht beherrschte Art erklärt.

Ich möchte hier keine Diskussion über Alkoholabhängige und wie diese zu behandeln sind anzetteln. Dafür bin ich gewiß nicht kompetent genug.

Ich bin einfach aufrichtig schockiert und traurig, denn nach dem kurzen Einblick in sein Leben, habe ich das Gefühl, daß dieser Junge bereits im Spiel des Lebens verloren hat, bevor es für ihn wirklich angefangen hat. Ich will nicht sagen, daß er von seinen Eltern nicht geliebt wird oder ähnliches. Es geht mir um die Vermittlung von Werten, Normen und Bildung.

Meine Kinder wachsen zweisprachig auf, weil ich die Möglichkeiten dazu habe. Das ist schön und gut (hoffe ich), aber sicher nicht von jedem zu erwarten. Im Gegenteil, viel mehr läuft doch über Reden, Erzählen, (Vor)Lesen, Spielen etc. Wieviel Zeit hat wohl der Vater für diese wichtigsten Aktivitäten, ja Pflichten eines Elternteils? Wenn er um 18.45 sich wortwörtlich schon einen "hinter die Binde kippt"?

Vielleicht liege ich mit meinen ganzen Befürchtungen auch vollkommen daneben, und alles ist gut. Aber diese so kurze Episode hat mich doch sehr zum Nachdenken gebracht.
All das ist ja in Deutschland zur Zeit Thema: Alkohol (auch bei Jugendlichen), soziale Kompetenz, Pisa, G8, Reformierung der Studiengänge, Kinder im sozialen Abseits etc.
Deshalb die Frage "Quo vadis"? Quo vadis, puer? Quo vadis, pater? Quo vadis, societas?

Als Arzt sieht man diese Art von Problemen ja allzuoft, und in 90% der Fälle kann man daran nichts ändern. Kann nicht in bestehende Strukturen eingreifen, so auch hier. Trotzdem fühle ich mich schlecht, weil ich keine Chance habe, für den Jungen etwas zu ändern.

Doc Blog

Dienstag, 16. September 2008

Faszinierende Sache...

Während ich heute morgen ungelogen eine ganze Stunde darauf warten musste, daß die Anästhesie unseren Patienten intubiert bekommt, habe ich eine recht erstaunliche Entdeckung gemacht:
Im Boden unseres OPs befindet sich ein 3D-Muster. Ähnlich wie bei den 3D-Büchern, die es früher gab. Nur ist es bei uns kein Muster (also kein Knochen oder Skalpell oder so), sondern einfach nur eine dreidimensionale mehrschichtige Ebene. Sah trotzdem gut aus.
Frage mich jetzt, ob das in anderen OP-Sälen Deutschlands auch so ist? Bitte mal ausprobieren. Am besten so im Halbschlaf noch ein bißchen danebenzuschielen.

Während der OP habe ich mich dann pausenlos vom Oberen runtermachen lassen (müssen, konnte ja nicht weg). Wegen vieler unnötiger Kleinigkeiten, wenn man es den gestressten OÄ nicht recht machen kann. Nein, kann noch nicht Hellsehen, nein, ICH kann nichts dafür, wenn er selbst den von mir gehaltenen Haken wegschubst. Gut, zugegeben, die OP bei dem Situs war sicher nicht ohne, aber trotzdem fand ich es blöd.

Und früher war es doch mal so, daß man sich erst in einer Abteilung einarbeiten muss? Bevor man "belohnt" wird, meine ich. So war zumindest die Ansage an mich in den Abteilungen, in denen ich früher war. Erstmal beweisen, daß man was weiß und kann, bevor man selber rangelassen wird. Tja, Tatsache ist hier, daß der neue Kollege (kein Vierteljahr hier) ständig operieren darf. Wobei ich nicht glaube, daß er besser operiert als ich. Aber wenn ich die OÄ drauf anspreche, heißt es nur, man dürfe die neuen Leute ja nicht verprellen. Klasse, Superargumentation.

Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln.

Doc Blog

Mittwoch, 10. September 2008

Der ewige K(r)ampf...

Es gibt einige Dinge, die ich nicht kann, wahrscheinlich niemals können werde und auch einige, die ich eigentlich gar nicht so dringend können möchte. Weil es genügend Leute gibt, die dafür deutlich besser ausgebildet und qualifiziert (von bezahlt gar nicht erst zu reden) sind.

Dazu gehört meine tägliche persönliche DRG-Hölle, in der ich mich täglich nach Dienstschluß wiederfinde. Nein, ich kann es nicht richtig, ich kann keine 4000 Euro extra für die Klinik rausholen, weil ich keine Ahnung davon habe. Und zugegebenermaßen auch keine wirkliche Lust die Akten von Patienten, die ich teilweise kaum kenne, komplett zu durchforsten, auf der Suche nach dem einen unentdeckten Hanverhalt, der einen (ge)wichtigen Harnwegsinfektion, dem Nikotinabusus und was weiß ich, was die Fallpauschale noch hochtreiben kann.

Dafür habe ich nicht Medizin studiert, dafür gibt es (oder sollte es zumindest geben) Medizincontroller, die den ganzen Tag nichts anderes machen und diesen ganzen Kram in und auswendig können. Mich persönlich treibt es immer auf die Palme, oder wie mein Vater zu sagen pflegt, es macht mich raderdoll. Das geht gar nicht.

Am schlimmsten sind aber die täglichen (meistens sogar mehrmals täglichen) Anrufe der Oberen, die mich entweder drauf hinweisen, daß ich einen Patienten noch nicht verschlüsselt habe (würde ihn eben gerne erst einmal überhaupt aufnehmen, bevor ich ihm eine Nummer aufdrücke) oder, mein absoluter Favorit, die mir brühwarm aufs Brot schmieren, daß ich einen Patienten falsch verschlüsselt habe, weil ich die HD seines Dackels nicht miterwähnt habe. Ich solle das ganze doch jetzt noch mal ausführlich und ordentlich (!) nachvollziehen und dann Bericht erstatten. ?! Klar, habe ja auch sonst nix zu tun.

Ich will das ganze hier nicht als unwichtig abtun, sicher ist es wichtig und ja auch irgendwie spannend, wenn einzig und allein, die Nummer N39.0 die gezahlten Beträge um einen vierstelligen (?) Betrag ansteigen läßt.

Aber ich finde eben, daß dies nicht meine Aufgabe sein kann, weil ich es eben einfach nicht adäquat leisten kann. Ich habe nicht die Zeit und Musse, mich da hinzusetzen und einen Fall von A nach B zu analysieren. Meine Güte, bei machen Casus bin ich ja schon froh, wenn ich einigermaßen den komplexen Heilungsverlauf nachvollziehen kann. um einen halbwegs akzeptablen Arztbrief daraus zu stricken.

Ich codiere ja und tue, naja, nicht mein Bestes, aber doch einen gewissen Bruchteil davon. Für alles, was danach kommt, insbesondere die Verbesserung meiner rudimentären Eingaben, sollte ein wahrer Fachmann oder Fachfrau herhalten. Da finde ich es nicht gerechtfertigt, einfach so von den Oberen angeraunzt zu werden, weil ich die I10.9 statt der I10.00 genommen habe.

Doc Blog

Mittwoch, 3. September 2008

From zero to hero ?

Momentan habe ich eine erstaunlich gute Phase, sozusagen einen echt guten Lauf (hatte ja schon mal einen zeitweiligen Höhenflug, der nur allzubald beendet wurde, deswegen bin ich natürlich per se skeptisch, aber dennoch geniesse ich es).

Woran sich das äußert? Naja, momentan bin ich hier fast eine One-Man-Show. Es sind soviele krank, fehlen aus anderen Gründen (Thailand?!, ich nehme mal an, tatsächlich Urlaub machen) oder haben gekündigt oder kommen einfach so nicht mehr.
Quintessenz ist, daß der Laden aus dem letzten Loch pfeift (ja, ich und Idiome). Und was macht Doc Blog, statt die Gelegenheit zu nutzen und den Karren endlich mal an die Wand fahren zu lassen, mit einem Riesenknall, damit alle aufwachen?
Nun, ich habe die Stationen, Ambulanzen, OPs und sonstiges geschmissen und das vielleicht gar nicht mal so schlecht. Das soll kein stinkendes Eigenlob sein, ich bin einfach froh, daß ich diese Phase der katastrophale Unterbesetzung tatsächlich (fast) im Alleingang gemeistert habe. Vielleicht bin ich doch nicht so blöd.

Und das beste ist, daß ALLE oberen Instanzen dies wohlwollend und anerkennend zu Kenntnis genommen haben und es mir tatsächlich auch so sagen. Das ist sowas von gut fürs Ego. Und mehr als das, alle sind supernett und freundlich zu mir, bieten Hilfe an, sind rücksichtsvoll und scherzen mit mir. Heute dürfte ich unerwartet operieren und - was ich besonders bemerkenswert finde - mir werden menschliche Fehler verziehen (statt wie früher runtergemacht zu werden).

Heute in der allgemeinen Visite sollte ich eine Zusatzaufnahme nach einem unauffälligen Röntgenbild anmelden, bin aber danach zu abgelenkt gewesen, um dran zu denken und war danach ewig und drei Tage im OP.
Kurz nachdem ich wieder draußen war, kam Chef und fragte nach dem Bild (NEIN! Ich Trottel!). "Haben Sie das noch nicht angemeldet?" - " Nein, das wollte ich noch nicht, ich musste erst auf die Ergebisse der Übersichtsaufnahme abwarten. Vielleicht wäre das CT dann gar nicht notwendig" - "Achso, ja, das ist sinnvoll".
Nach erneuter Sichtung des Pat. sagte er dann ein paar Minuten später, ich solle doch bitte die Untersuchung dennoch für morgen anmelden, obwohl es wahrscheinlich nicht klappen würde, weil's zu spät angemeldet würde. Aber das wäre ja nicht so schlimm.

So was... Da hätte es zumindest (!) böse böse Blicke zu früheren Zeiten gegeben (und wahrscheinlich eine interne Notiz bzgl. Unfähigkeit seitens des Assistenten).

Was will uns der Autor dieses unwichtigen Blogs un damit sagen:
Trotz aller Widrigkeiten bin ich momentan fast schon pathologisch guter Dinge (war da nicht mal eine House-Folge mit diesem Thema?), bin motiviert und arbeite viel, zügig, effizient und somit produktiv. Wenn es so weiterginge wollte ich mich kaum noch beschweren. Obwohl der grobe Rahmen natürlich damit immer noch nicht stimmt, kommt so zumindest für mich immerhin wieder ein wenig Spaß ins Spiel. Und die OP heute war klasse ;-)

Doc Blog

Donnerstag, 28. August 2008

Komet Kuno....

... oder: Warum bin ich eigentlich nicht Staubsaugervertreter geworden ?!

Der erste Spruch stammt von einem ehemaligen Oberarzt (von dem ich echt viel gelernt habe), als er über die Anästhesistin obigen Namens redete:

Anästhesisten sind wie Kometen, sie tauchen kurz mal auf und sind dann ziemlich lange wieder verschwunden.

Nicht nur in dieser Klinik war es so, daß man oft vergeblich mit der Anästhesie geredet hat (Hallo? Bitte den Tisch höher fahren? Hallo? Hallooo?), und auch hier in der Klinik scheint (ach was scheint, das ist definitiv so) die Anästhesie ein schönes Leben zu haben.
Pünktlich Schluß ist ja nur eine Sache, regelmäßig zur Pause ausgelöst zu werden, geregeltes Sozialleben und so'n Zeug das andere. Andererseits ist man dafür auch "nur" Anästhesist. Ich weiß nicht, ob es mir ausreichen würde, immer nur bei der OP daneben zu stehen (jaja, ich weiß, tue ich jetzt zu 90% auch, aber immerhin habe ich jetzt ja die CHANCE, mal selbst Hand anzulegen).

Der zweite Spruch stammt von meinem Deutschlehrer (von dem ich auch sehr viel gelernt habe), alternativ auch:
Warum bin ich eigentlich nicht Gebrauchtwagenhändler geworden?

Diese Sprüche kamen meistens nach Erwähnen der Urlaubsziele der Sprößlinge dieser Berufsgruppen.

Obwohl (oder vielleicht genau weil?) es momentan wirklich absolut bescheiden läuft (mal wieder mehr Kollegen krank als anwesend), bin ich in einen absolut fatalistischen Zustand gerutscht. Es läuft katastrophal, so what? Ich kann eh nix dran ändern, also nutzt es auch nichts, darüber zu jammern. Naja, ist ja so.

Und obwohl ich keine eigentliche positive Grundeinstellung habe, ist es so, daß ich die ganze Sache erstaunlicherweise nicht mehr so negativ angehe. Keine Ahnung warum, aber ich merke auf jeden Fall, daß dies mir besser tut. Vielleicht liegt es einfach daran, daß mein Urlaub nicht mehr so lange weg ist. Das ist ein ungeheurer Motivationsschub.
Und außerdem höre ich dauernd, daß ich der beste Chirurg der Abteilung bin, ohne mich läuft gar nichts, yaddiyaddiyaddi. Klar, ist das nur Honig ums Maul schmieren und womöglich noch nicht mal aufrichtig gemeint, aber es tut trotzdem irgendwie gut, das zu hören. Daran liegt es aber nicht hauptsächlich. Wenn ich das hier einigermaßen gut überstehe, kann mich nix mehr schocken und ich sehe das als Vorbereitung für, naja, für irgendwas, das noch kommen mag.

Versuche auch, die Pat. nichts davon mitbekommen zu lassen, aber einige Male musste ich denen doch sagen, wo der Hammer hängt. Kommen auf Station, sind dann 6 (!) Stunden verschwunden, wenn ich sie eigentlich aufnehmen will und nölen noch, wenn ich sie dafür auf den Pott setze. Sowas macht mich aggressiv.

Ganz im Gegenteil dazu die Pat., die nachts oder abends meine Zeit in Anspruch nehmen, weil die alte verwirrte Dame wegen Schemrzen nicht mehr zurecht kommt und bei uns eigentlich auch nicht richtig aufgehoben ist, wo die Anamnese ewig dauert (und nicht immer wirklich zu glauben ist) und die einfach sehr arbeitsintensiv sind.
Aber diese Patienten sind es doch, für die wir den Job machen, die unsere Hilfe brauchen, die mir echt leid tun. Sie können sich selber nicht mehr helfen, sind alt und hilflos. Sie brauchen uns.

Habe schon einige dieser Patienten kommen und auch bei uns sterben sehen und es macht mich immer traurig. Klar, sie hatten ein langes erfülltes Leben, aber andererseits sind sie zu uns mit Schmerzen oder anderen Problemem gekommen, in der Hoffnung wir/ich können ihnen helfen. Und es ist nicht schön, sie enttäuschen zu müssen.

Ab und zu hat man diese Patienten, die einem nahe gehen, deren Schicksal und (Über)Leben wir beinflussen.

Eine alte Dame kam eines Tages per KTW in meine überfüllte Ambulanz. Vom Namen her Aussiedlerin (habe in der Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen mit der Verständigung machen müssen, was mich etwas auf der Hut sein liess) und ziemlich alt, Diagnose akutes Abdomen. Ich war zugegeben ziemlich lustlos, alles nur runtergerattert, lieblos untersucht und auf Station geschickt. War auch ziemlich kurz angebunden und unfreundlich, allerdings war die Verständigung mit ihr unerwartet gut möglich.

Als der Transportdienst sie auf die Station abholen wollte, nahm sie meine Hand und meinte: "Danke, daß Sie mir geholfen haben. Kommen Sie dann auch auf die Station und sehen nach mir? Bitte."

Da war ich echt baff, das hatte ich nach meiner Behandlung nicht erwartet. Hatte meinem OA von ihr berichtet und alles zur OP fertig gemacht. In meiner weiterhin überfüllten Ambulanz habe ich mir dann doch mal die Zeit genommen, sie auf Station zu besuchen. Sie lag in einem Dreibettzimmer an der Tür und ihre Tochter war bei ihr. Habe nochmal alles mit ihr besprochen, OP und weiteres Procedere. Als ich dann gehen wollte und ihr alles Gute wünschte, sagte sie zu mir, mit einem traurigen Blick:
"Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich bin dankbar für das Leben, das ich haben dürfte."

Warum weiß ich nicht, aber das hat mich sehr tief berührt und ich habe mich bemüht, ihr zu versichern, daß sie bestimmtr nicht sterben würde, und daß wir alles in unserer Macht stehende tun würden, um ihr zu helfen. Sie drückte meine Hand und sagte nur: "Danke. Das weiß ich." Danach musste ich die Tochter beruhigen und bin gegangen. Noch von der Station habe ich den OA, der die OP machen würde angerufen, um ihm zu sagen, daß er sich ganz besonders um diese Patientin kümmern und mich nach der OP direkt anrufen sollte.

Habe das Warten dann nicht ausgehalten und im OP angerufen, da waren sie gerade am zumachen. Sie hatte eine Mesenterialvenenthrombose, aber sie war stabil und es ging ihr gut.
Auf ITS bin ich dann nicht mehr bei ihr vorbeigegangen und einigermaßen froh nach Hause gegangen.
Am nächsten Morgen in der Besprechung wurde übergeben, daß sie in der Nacht auf Intensiv verstorben ist. Da hätte ich fast losgeheult.

Letztendlich weiß ich nicht, warum genau diese Patientin mich so berührt hat oder warum dies eine meiner intensivsten Erfahrungen als Arzt war, aber ab und zu kommen immer mal wieder Patientin, die mich an die alte Dame erinnern und mich ermahnen, daß ich meinen Beruf nicht wegen der Kohle oder der Arbeitszeiten (denn dann hätte ich wohl was anderes machen können), sondern wegen der Menschen, die uns brauchen, machen.
Ab und zu brauche ich das. Vielleicht alle Ärzte.

Deshalb finde ich es ab und zu ganz gut, daß ich nicht Gebrauchtwagenhändler, Staubsaugerver- treter oder Komet geworden bin.

Doc Blog

Dienstag, 12. August 2008

10 Dinge, die mir nicht wirklich ein Lächeln ins Gesicht zaubern :-(

Es gibt einige Dinge, die mich nerven, richtig annerven, daß ich oft genug die Krise kiege, wenn diese mal wieder passieren. Allerdings gibt es dabei unterschiedliche Schattierungen des Ganzen. Und die Auslöser sind kontinuierlichen Änderungen unterworfen, ebenso ist die Reihenfolge (anders als bei Letterman's Top Ten List...) nicht fest vorgegeben, sondern austauschbar.

1. Von einem miserablen Lied durchs Radio geweckt zu werden
Ich mag Musik, bin ein musikalischer Mensch und Musik ist mir wichtig. Keine Frage, daß ich mich natürlich via Radio wecken lassen (so ein komischer Summdummton kommt mir nicht ins Schlafzimmer). Habe immer denselben Sender eingestellt, Standard regional, nix besonderes oder ausgefallenes. In regelmäßigen Abständen werde ich durch ganz grauenhafte "Lieder" geweckt (entweder gehirnerweichende Bumm-Bumm-Musik, die eher zu 1Live passen würde), oder eunuchoid kreischende Männerstimmen oder maximal dissonante "Rhythmen". So oder so treibt mich das schnell aus dem Bett.

2. Warum sind eigentlich einige Menschen mehr als andere wert?
Diese Feststellung muss ich häufiger machen. Und ich meine nicht, daß sich Chefärzte arrogant gegenüber kleinen Assistenten verhalten, im Gegenteil, die sind meist sehr nett. Aber offensichtlich sind die Herren (seltener Damen) der Verwaltung, PDL oder Rezeption (?!) doch deutlich bessere Menschen als der Rest, der in der Klinik rumläuft! Woran man das erkennt? Man wird grundsätzlich von ihnen nicht nur nicht gegrüßt, sondern schlichtweg ignoriert, selbst wenn man sie laut grüßt. Warum? Darf ich sie nicht ansprechen? Ist ein schlichter Rückgruß an mich unter ihrer Würde? Vorgestern bin ich dem PDL-Menschen vor die Füße gesprungen und habe ihm ein Guten Tag engegengebrüllt, was er nur mit einem dezenten Anheben der linken Augenbraue und Stirnrunzeln zu quittieren wusste.

3. Das wechselhafte Wetter hier
In meinem Urlaub war es teilweise noch so schön, knalleheiss, einfach wunderbar, da vermißt man den Süden gar nicht. Aber jetzt? Hier? Wo ist der Sommer? Es regnet, gewittert, stürmt in variabler Reihenfolge. Das führt nicht zu einer ausgeglichenen Stimmung, weder bei mir noch bei den Pat. noch bei sonstwem. Ich will meinen Sommer wieder haben!

4. Die Tatsache, daß das mit dem Operieren immer noch nicht klappt, muss ich ja nicht extra erwähnen. Aber wenn ich auch noch aus den OPs rausgelobt werde, BEVOR ich überhaupt in den OP gehen konnte, ist das neu.

5. Das Fernsehprogramm...
Hat sich was in der deutschen Fernsehlandschaft geändert? Gibt es nur noch Dokusoaps, Auswanderer, Wiederholungen, Reportagen (alle über dasselbe Thema) und dergleichen? War doch früher auch mal anders. Das, was momentan geboten wird, spricht mich überhaupt nicht an. Somit ist ein erholsamer Abend vor dem Fernseher auch nicht drin. Und Radiohören bietet ja leider o. g. Mängel. Und warum House nicht zieht, s. 10.

6. Faule (?) Kollegen
Wie kann es sein, daß ich als Frühdienst, der immerhin drei Stunden nach offiziellem Dienstschluß endlich gehen möchte (cave! es noch nicht getan HAT!), von meinem lieben noch im Hause verweilenden Spätdienst angesprochen werde, doch noch eine Aufnahme für ihn zu machen. Und dann noch ein langes Gesicht ernte (und wahrscheinlich innerlich verflucht werde), wenn ich dankend ablehne. Wo sind wir denn hier? Wurde dafür nicht das System des Schichtdienstes eingeführt?

7. Parkplatzsuche
Wenn ich dann endlich nach langer getaner Arbeit todmüde (ist in letzter Zeit wirklich so, habe eine chronische Müdigkeit entwickelt) zu Hause aufschlage, trennt mich von meinem Bett immer noch die Parkplatzsuche. Es ist ausgesprochen unbefriedigend, erstmal eine Runde drehen zu müssen, bevor man sich niederlassen kann. Interessanterweise ist das Problem größer, wenn ich früher als sonst nach Hause komme.

8. Obwohl ich wirklich wenig Zeit habe, im KH zu essen (und das Essen ja auch bekanntermaßen nicht so der Renner ist), geht irgendwie doch eine Menge meines Gehalts fürs (Klinik)Essen drauf. Schon komisch. Dauernd ist meine Karte leer. Aber Essen ist ja nicht nur essen, sondern auch social bonding und gerade in schwierigen Zeiten wichtig.

9. Hassen mich meine Nachbarn und die Stadtwerke/Baufirmen/Müllabfuhr?
Dieser Gedanke kommt mir ab und zu nach meinen Nachtdiensten. Wenn ich mich dann gerade ins Kissen fallen lassen will, dreht entweder der Nachbar seine Technomusik auf (wie gesagt, morgens 8 Uhr nach dem Dienst), oder die Stadtwerke (oder sonstwer) beschließen an genau diesem Tag ein sehr großes Loch vor meinem Haus zu buddeln oder die anderen Nachbarn bekommen eine sehr große Ladung Eisenrohre (?), die lautstark abgeladen werden muss oder die Müllabfur (oder ist es die Straßenreinigung?) kommt mit diesen Wagen, die so laut piepsen, wenn sie fahren. Was auch immer ist, es stört. Sicher, auch diese Leute müssen arbeiten, keiner will Müll vor der Tür liegen haben oder auf seine Eisenrohre verzichten. Ganz zu schweigen von morgendlicher Techno-Musik in maximaler Lautstärke.

10. Dr. House - Ein Thema für sich
Ich konnte mich nicht beherrschen und habe mir die DVDs vorab gekauft. Und jetzt kenne ich schon alle Folgen und weiß, was passieren wird. Schade. Aber eben selber schuld.
Gucke jetzt trotzdem die Folge, die ich bereits kenne, weiter.

Sicherlich ist dies keine weltbewegende Liste, aber dies sind regelmäßig wiederkehrende, mehr oder minder große, meine Stimmung mehr oder weniger reduzierende Sachverhalte. Welcome to my life.

Doc Blog

Dienstag, 5. August 2008

Der konservative Chirurg

Nachdem ich meine Familie "in die Wüste" geschickt habe, kann ich endlich mal ungehemmt, ähm, ungestört ein wenig mich von all den Strapazen und Widrigkeiten der Klinik erholen, die mich allzu bald wieder einholen werden. Oder ich sattle einfach um und werde Profi-Faulenzer, die Qualitäten dafür scheine ich zu haben.

Ganz anders sieht es mit operativen Qualitäten aus, mittlerweile bin ich ja auf dem besten Wege mich zu einem konservativen Chirurgen zu entwickeln. Das letzte Mal, dass ich den OP von innen gesehen habe, ist schon länger her, schließlich muss primär ja die Stationsarbeit getan werden, da bleibt der operative Einsatz notgedrungen auf der Strecke (habe ich schon erwähnt, dass wieder jemand gekündigt hat?).
Und weil diese ganze Entwicklung mir überhaupt nicht behagt, habe ich auf ein klärendes Gespräch mit meinem Chef und den Oberen gedrängt. Quintessenz war so ungefährt: "Na, nee, Sie können ja auch nicht operieren können, wenn Sie es nicht machen können!"

Danke, somit ist der erste Schritt zur Problembehebung getan, die Analyse ist erfolgt. Womöglich war ihnen das Problem ja noch nicht mal so klar, wie es mir jeden Tag dramatisch vor Augen schwirrt.
Jeden Tag frage ich mich mittlerweile, wie es weitergehen soll. Bin nicht mehr der Jüngste, muss meinen Facharzt irgendwann mal machen (da stellt sich fast die Frage, in welchem Fach) und möchte ja auch mit meinem Job (oder besser Beruf, Job klingt so temporär) meine Familie langfristig ernähren können. Und meine Meinung ist immer noch, daß ein Chirurg operieren lernen muss und da hakt es eben und ich frage mich, ob der Zug für mich nicht vielleicht schon abgefahren ist? Das macht mir echt Angst, denn das würde bedeuten, daß ich viel viel Zeit verschwendet habe.

Wenn sich in der nächsten Zeit nicht wirklich was ändert (ich erwarte es ja nicht), muss ich vielleicht endlich mal meinen Worten Taten folgen lassen. Immerhin lasse ich mir nicht umsonst Hochglanzemails von alternativen Berufsorten schicken. Und es gibt einige, wo das Wetter definiv viel besser ist als hier. Warum nicht endlich den Schritt machen, von dem ich schon lange träume (und familiär doch auf recht viel Widerstand stosse)? Weil ich Angst habe zu versagen? Weil ich Angst habe, im Ausland könnte alles noch schlimmer sein? Weil ich Angst habe, es könnte alles besser sein? Ich weiß es nicht.

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