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Mittwoch, 3. September 2008

From zero to hero ?

Momentan habe ich eine erstaunlich gute Phase, sozusagen einen echt guten Lauf (hatte ja schon mal einen zeitweiligen Höhenflug, der nur allzubald beendet wurde, deswegen bin ich natürlich per se skeptisch, aber dennoch geniesse ich es).

Woran sich das äußert? Naja, momentan bin ich hier fast eine One-Man-Show. Es sind soviele krank, fehlen aus anderen Gründen (Thailand?!, ich nehme mal an, tatsächlich Urlaub machen) oder haben gekündigt oder kommen einfach so nicht mehr.
Quintessenz ist, daß der Laden aus dem letzten Loch pfeift (ja, ich und Idiome). Und was macht Doc Blog, statt die Gelegenheit zu nutzen und den Karren endlich mal an die Wand fahren zu lassen, mit einem Riesenknall, damit alle aufwachen?
Nun, ich habe die Stationen, Ambulanzen, OPs und sonstiges geschmissen und das vielleicht gar nicht mal so schlecht. Das soll kein stinkendes Eigenlob sein, ich bin einfach froh, daß ich diese Phase der katastrophale Unterbesetzung tatsächlich (fast) im Alleingang gemeistert habe. Vielleicht bin ich doch nicht so blöd.

Und das beste ist, daß ALLE oberen Instanzen dies wohlwollend und anerkennend zu Kenntnis genommen haben und es mir tatsächlich auch so sagen. Das ist sowas von gut fürs Ego. Und mehr als das, alle sind supernett und freundlich zu mir, bieten Hilfe an, sind rücksichtsvoll und scherzen mit mir. Heute dürfte ich unerwartet operieren und - was ich besonders bemerkenswert finde - mir werden menschliche Fehler verziehen (statt wie früher runtergemacht zu werden).

Heute in der allgemeinen Visite sollte ich eine Zusatzaufnahme nach einem unauffälligen Röntgenbild anmelden, bin aber danach zu abgelenkt gewesen, um dran zu denken und war danach ewig und drei Tage im OP.
Kurz nachdem ich wieder draußen war, kam Chef und fragte nach dem Bild (NEIN! Ich Trottel!). "Haben Sie das noch nicht angemeldet?" - " Nein, das wollte ich noch nicht, ich musste erst auf die Ergebisse der Übersichtsaufnahme abwarten. Vielleicht wäre das CT dann gar nicht notwendig" - "Achso, ja, das ist sinnvoll".
Nach erneuter Sichtung des Pat. sagte er dann ein paar Minuten später, ich solle doch bitte die Untersuchung dennoch für morgen anmelden, obwohl es wahrscheinlich nicht klappen würde, weil's zu spät angemeldet würde. Aber das wäre ja nicht so schlimm.

So was... Da hätte es zumindest (!) böse böse Blicke zu früheren Zeiten gegeben (und wahrscheinlich eine interne Notiz bzgl. Unfähigkeit seitens des Assistenten).

Was will uns der Autor dieses unwichtigen Blogs un damit sagen:
Trotz aller Widrigkeiten bin ich momentan fast schon pathologisch guter Dinge (war da nicht mal eine House-Folge mit diesem Thema?), bin motiviert und arbeite viel, zügig, effizient und somit produktiv. Wenn es so weiterginge wollte ich mich kaum noch beschweren. Obwohl der grobe Rahmen natürlich damit immer noch nicht stimmt, kommt so zumindest für mich immerhin wieder ein wenig Spaß ins Spiel. Und die OP heute war klasse ;-)

Doc Blog

Donnerstag, 28. August 2008

Komet Kuno....

... oder: Warum bin ich eigentlich nicht Staubsaugervertreter geworden ?!

Der erste Spruch stammt von einem ehemaligen Oberarzt (von dem ich echt viel gelernt habe), als er über die Anästhesistin obigen Namens redete:

Anästhesisten sind wie Kometen, sie tauchen kurz mal auf und sind dann ziemlich lange wieder verschwunden.

Nicht nur in dieser Klinik war es so, daß man oft vergeblich mit der Anästhesie geredet hat (Hallo? Bitte den Tisch höher fahren? Hallo? Hallooo?), und auch hier in der Klinik scheint (ach was scheint, das ist definitiv so) die Anästhesie ein schönes Leben zu haben.
Pünktlich Schluß ist ja nur eine Sache, regelmäßig zur Pause ausgelöst zu werden, geregeltes Sozialleben und so'n Zeug das andere. Andererseits ist man dafür auch "nur" Anästhesist. Ich weiß nicht, ob es mir ausreichen würde, immer nur bei der OP daneben zu stehen (jaja, ich weiß, tue ich jetzt zu 90% auch, aber immerhin habe ich jetzt ja die CHANCE, mal selbst Hand anzulegen).

Der zweite Spruch stammt von meinem Deutschlehrer (von dem ich auch sehr viel gelernt habe), alternativ auch:
Warum bin ich eigentlich nicht Gebrauchtwagenhändler geworden?

Diese Sprüche kamen meistens nach Erwähnen der Urlaubsziele der Sprößlinge dieser Berufsgruppen.

Obwohl (oder vielleicht genau weil?) es momentan wirklich absolut bescheiden läuft (mal wieder mehr Kollegen krank als anwesend), bin ich in einen absolut fatalistischen Zustand gerutscht. Es läuft katastrophal, so what? Ich kann eh nix dran ändern, also nutzt es auch nichts, darüber zu jammern. Naja, ist ja so.

Und obwohl ich keine eigentliche positive Grundeinstellung habe, ist es so, daß ich die ganze Sache erstaunlicherweise nicht mehr so negativ angehe. Keine Ahnung warum, aber ich merke auf jeden Fall, daß dies mir besser tut. Vielleicht liegt es einfach daran, daß mein Urlaub nicht mehr so lange weg ist. Das ist ein ungeheurer Motivationsschub.
Und außerdem höre ich dauernd, daß ich der beste Chirurg der Abteilung bin, ohne mich läuft gar nichts, yaddiyaddiyaddi. Klar, ist das nur Honig ums Maul schmieren und womöglich noch nicht mal aufrichtig gemeint, aber es tut trotzdem irgendwie gut, das zu hören. Daran liegt es aber nicht hauptsächlich. Wenn ich das hier einigermaßen gut überstehe, kann mich nix mehr schocken und ich sehe das als Vorbereitung für, naja, für irgendwas, das noch kommen mag.

Versuche auch, die Pat. nichts davon mitbekommen zu lassen, aber einige Male musste ich denen doch sagen, wo der Hammer hängt. Kommen auf Station, sind dann 6 (!) Stunden verschwunden, wenn ich sie eigentlich aufnehmen will und nölen noch, wenn ich sie dafür auf den Pott setze. Sowas macht mich aggressiv.

Ganz im Gegenteil dazu die Pat., die nachts oder abends meine Zeit in Anspruch nehmen, weil die alte verwirrte Dame wegen Schemrzen nicht mehr zurecht kommt und bei uns eigentlich auch nicht richtig aufgehoben ist, wo die Anamnese ewig dauert (und nicht immer wirklich zu glauben ist) und die einfach sehr arbeitsintensiv sind.
Aber diese Patienten sind es doch, für die wir den Job machen, die unsere Hilfe brauchen, die mir echt leid tun. Sie können sich selber nicht mehr helfen, sind alt und hilflos. Sie brauchen uns.

Habe schon einige dieser Patienten kommen und auch bei uns sterben sehen und es macht mich immer traurig. Klar, sie hatten ein langes erfülltes Leben, aber andererseits sind sie zu uns mit Schmerzen oder anderen Problemem gekommen, in der Hoffnung wir/ich können ihnen helfen. Und es ist nicht schön, sie enttäuschen zu müssen.

Ab und zu hat man diese Patienten, die einem nahe gehen, deren Schicksal und (Über)Leben wir beinflussen.

Eine alte Dame kam eines Tages per KTW in meine überfüllte Ambulanz. Vom Namen her Aussiedlerin (habe in der Vergangenheit sehr schlechte Erfahrungen mit der Verständigung machen müssen, was mich etwas auf der Hut sein liess) und ziemlich alt, Diagnose akutes Abdomen. Ich war zugegeben ziemlich lustlos, alles nur runtergerattert, lieblos untersucht und auf Station geschickt. War auch ziemlich kurz angebunden und unfreundlich, allerdings war die Verständigung mit ihr unerwartet gut möglich.

Als der Transportdienst sie auf die Station abholen wollte, nahm sie meine Hand und meinte: "Danke, daß Sie mir geholfen haben. Kommen Sie dann auch auf die Station und sehen nach mir? Bitte."

Da war ich echt baff, das hatte ich nach meiner Behandlung nicht erwartet. Hatte meinem OA von ihr berichtet und alles zur OP fertig gemacht. In meiner weiterhin überfüllten Ambulanz habe ich mir dann doch mal die Zeit genommen, sie auf Station zu besuchen. Sie lag in einem Dreibettzimmer an der Tür und ihre Tochter war bei ihr. Habe nochmal alles mit ihr besprochen, OP und weiteres Procedere. Als ich dann gehen wollte und ihr alles Gute wünschte, sagte sie zu mir, mit einem traurigen Blick:
"Ich weiß, daß ich sterben werde, aber ich bin dankbar für das Leben, das ich haben dürfte."

Warum weiß ich nicht, aber das hat mich sehr tief berührt und ich habe mich bemüht, ihr zu versichern, daß sie bestimmtr nicht sterben würde, und daß wir alles in unserer Macht stehende tun würden, um ihr zu helfen. Sie drückte meine Hand und sagte nur: "Danke. Das weiß ich." Danach musste ich die Tochter beruhigen und bin gegangen. Noch von der Station habe ich den OA, der die OP machen würde angerufen, um ihm zu sagen, daß er sich ganz besonders um diese Patientin kümmern und mich nach der OP direkt anrufen sollte.

Habe das Warten dann nicht ausgehalten und im OP angerufen, da waren sie gerade am zumachen. Sie hatte eine Mesenterialvenenthrombose, aber sie war stabil und es ging ihr gut.
Auf ITS bin ich dann nicht mehr bei ihr vorbeigegangen und einigermaßen froh nach Hause gegangen.
Am nächsten Morgen in der Besprechung wurde übergeben, daß sie in der Nacht auf Intensiv verstorben ist. Da hätte ich fast losgeheult.

Letztendlich weiß ich nicht, warum genau diese Patientin mich so berührt hat oder warum dies eine meiner intensivsten Erfahrungen als Arzt war, aber ab und zu kommen immer mal wieder Patientin, die mich an die alte Dame erinnern und mich ermahnen, daß ich meinen Beruf nicht wegen der Kohle oder der Arbeitszeiten (denn dann hätte ich wohl was anderes machen können), sondern wegen der Menschen, die uns brauchen, machen.
Ab und zu brauche ich das. Vielleicht alle Ärzte.

Deshalb finde ich es ab und zu ganz gut, daß ich nicht Gebrauchtwagenhändler, Staubsaugerver- treter oder Komet geworden bin.

Doc Blog

Dienstag, 12. August 2008

10 Dinge, die mir nicht wirklich ein Lächeln ins Gesicht zaubern :-(

Es gibt einige Dinge, die mich nerven, richtig annerven, daß ich oft genug die Krise kiege, wenn diese mal wieder passieren. Allerdings gibt es dabei unterschiedliche Schattierungen des Ganzen. Und die Auslöser sind kontinuierlichen Änderungen unterworfen, ebenso ist die Reihenfolge (anders als bei Letterman's Top Ten List...) nicht fest vorgegeben, sondern austauschbar.

1. Von einem miserablen Lied durchs Radio geweckt zu werden
Ich mag Musik, bin ein musikalischer Mensch und Musik ist mir wichtig. Keine Frage, daß ich mich natürlich via Radio wecken lassen (so ein komischer Summdummton kommt mir nicht ins Schlafzimmer). Habe immer denselben Sender eingestellt, Standard regional, nix besonderes oder ausgefallenes. In regelmäßigen Abständen werde ich durch ganz grauenhafte "Lieder" geweckt (entweder gehirnerweichende Bumm-Bumm-Musik, die eher zu 1Live passen würde), oder eunuchoid kreischende Männerstimmen oder maximal dissonante "Rhythmen". So oder so treibt mich das schnell aus dem Bett.

2. Warum sind eigentlich einige Menschen mehr als andere wert?
Diese Feststellung muss ich häufiger machen. Und ich meine nicht, daß sich Chefärzte arrogant gegenüber kleinen Assistenten verhalten, im Gegenteil, die sind meist sehr nett. Aber offensichtlich sind die Herren (seltener Damen) der Verwaltung, PDL oder Rezeption (?!) doch deutlich bessere Menschen als der Rest, der in der Klinik rumläuft! Woran man das erkennt? Man wird grundsätzlich von ihnen nicht nur nicht gegrüßt, sondern schlichtweg ignoriert, selbst wenn man sie laut grüßt. Warum? Darf ich sie nicht ansprechen? Ist ein schlichter Rückgruß an mich unter ihrer Würde? Vorgestern bin ich dem PDL-Menschen vor die Füße gesprungen und habe ihm ein Guten Tag engegengebrüllt, was er nur mit einem dezenten Anheben der linken Augenbraue und Stirnrunzeln zu quittieren wusste.

3. Das wechselhafte Wetter hier
In meinem Urlaub war es teilweise noch so schön, knalleheiss, einfach wunderbar, da vermißt man den Süden gar nicht. Aber jetzt? Hier? Wo ist der Sommer? Es regnet, gewittert, stürmt in variabler Reihenfolge. Das führt nicht zu einer ausgeglichenen Stimmung, weder bei mir noch bei den Pat. noch bei sonstwem. Ich will meinen Sommer wieder haben!

4. Die Tatsache, daß das mit dem Operieren immer noch nicht klappt, muss ich ja nicht extra erwähnen. Aber wenn ich auch noch aus den OPs rausgelobt werde, BEVOR ich überhaupt in den OP gehen konnte, ist das neu.

5. Das Fernsehprogramm...
Hat sich was in der deutschen Fernsehlandschaft geändert? Gibt es nur noch Dokusoaps, Auswanderer, Wiederholungen, Reportagen (alle über dasselbe Thema) und dergleichen? War doch früher auch mal anders. Das, was momentan geboten wird, spricht mich überhaupt nicht an. Somit ist ein erholsamer Abend vor dem Fernseher auch nicht drin. Und Radiohören bietet ja leider o. g. Mängel. Und warum House nicht zieht, s. 10.

6. Faule (?) Kollegen
Wie kann es sein, daß ich als Frühdienst, der immerhin drei Stunden nach offiziellem Dienstschluß endlich gehen möchte (cave! es noch nicht getan HAT!), von meinem lieben noch im Hause verweilenden Spätdienst angesprochen werde, doch noch eine Aufnahme für ihn zu machen. Und dann noch ein langes Gesicht ernte (und wahrscheinlich innerlich verflucht werde), wenn ich dankend ablehne. Wo sind wir denn hier? Wurde dafür nicht das System des Schichtdienstes eingeführt?

7. Parkplatzsuche
Wenn ich dann endlich nach langer getaner Arbeit todmüde (ist in letzter Zeit wirklich so, habe eine chronische Müdigkeit entwickelt) zu Hause aufschlage, trennt mich von meinem Bett immer noch die Parkplatzsuche. Es ist ausgesprochen unbefriedigend, erstmal eine Runde drehen zu müssen, bevor man sich niederlassen kann. Interessanterweise ist das Problem größer, wenn ich früher als sonst nach Hause komme.

8. Obwohl ich wirklich wenig Zeit habe, im KH zu essen (und das Essen ja auch bekanntermaßen nicht so der Renner ist), geht irgendwie doch eine Menge meines Gehalts fürs (Klinik)Essen drauf. Schon komisch. Dauernd ist meine Karte leer. Aber Essen ist ja nicht nur essen, sondern auch social bonding und gerade in schwierigen Zeiten wichtig.

9. Hassen mich meine Nachbarn und die Stadtwerke/Baufirmen/Müllabfuhr?
Dieser Gedanke kommt mir ab und zu nach meinen Nachtdiensten. Wenn ich mich dann gerade ins Kissen fallen lassen will, dreht entweder der Nachbar seine Technomusik auf (wie gesagt, morgens 8 Uhr nach dem Dienst), oder die Stadtwerke (oder sonstwer) beschließen an genau diesem Tag ein sehr großes Loch vor meinem Haus zu buddeln oder die anderen Nachbarn bekommen eine sehr große Ladung Eisenrohre (?), die lautstark abgeladen werden muss oder die Müllabfur (oder ist es die Straßenreinigung?) kommt mit diesen Wagen, die so laut piepsen, wenn sie fahren. Was auch immer ist, es stört. Sicher, auch diese Leute müssen arbeiten, keiner will Müll vor der Tür liegen haben oder auf seine Eisenrohre verzichten. Ganz zu schweigen von morgendlicher Techno-Musik in maximaler Lautstärke.

10. Dr. House - Ein Thema für sich
Ich konnte mich nicht beherrschen und habe mir die DVDs vorab gekauft. Und jetzt kenne ich schon alle Folgen und weiß, was passieren wird. Schade. Aber eben selber schuld.
Gucke jetzt trotzdem die Folge, die ich bereits kenne, weiter.

Sicherlich ist dies keine weltbewegende Liste, aber dies sind regelmäßig wiederkehrende, mehr oder minder große, meine Stimmung mehr oder weniger reduzierende Sachverhalte. Welcome to my life.

Doc Blog

Dienstag, 5. August 2008

Der konservative Chirurg

Nachdem ich meine Familie "in die Wüste" geschickt habe, kann ich endlich mal ungehemmt, ähm, ungestört ein wenig mich von all den Strapazen und Widrigkeiten der Klinik erholen, die mich allzu bald wieder einholen werden. Oder ich sattle einfach um und werde Profi-Faulenzer, die Qualitäten dafür scheine ich zu haben.

Ganz anders sieht es mit operativen Qualitäten aus, mittlerweile bin ich ja auf dem besten Wege mich zu einem konservativen Chirurgen zu entwickeln. Das letzte Mal, dass ich den OP von innen gesehen habe, ist schon länger her, schließlich muss primär ja die Stationsarbeit getan werden, da bleibt der operative Einsatz notgedrungen auf der Strecke (habe ich schon erwähnt, dass wieder jemand gekündigt hat?).
Und weil diese ganze Entwicklung mir überhaupt nicht behagt, habe ich auf ein klärendes Gespräch mit meinem Chef und den Oberen gedrängt. Quintessenz war so ungefährt: "Na, nee, Sie können ja auch nicht operieren können, wenn Sie es nicht machen können!"

Danke, somit ist der erste Schritt zur Problembehebung getan, die Analyse ist erfolgt. Womöglich war ihnen das Problem ja noch nicht mal so klar, wie es mir jeden Tag dramatisch vor Augen schwirrt.
Jeden Tag frage ich mich mittlerweile, wie es weitergehen soll. Bin nicht mehr der Jüngste, muss meinen Facharzt irgendwann mal machen (da stellt sich fast die Frage, in welchem Fach) und möchte ja auch mit meinem Job (oder besser Beruf, Job klingt so temporär) meine Familie langfristig ernähren können. Und meine Meinung ist immer noch, daß ein Chirurg operieren lernen muss und da hakt es eben und ich frage mich, ob der Zug für mich nicht vielleicht schon abgefahren ist? Das macht mir echt Angst, denn das würde bedeuten, daß ich viel viel Zeit verschwendet habe.

Wenn sich in der nächsten Zeit nicht wirklich was ändert (ich erwarte es ja nicht), muss ich vielleicht endlich mal meinen Worten Taten folgen lassen. Immerhin lasse ich mir nicht umsonst Hochglanzemails von alternativen Berufsorten schicken. Und es gibt einige, wo das Wetter definiv viel besser ist als hier. Warum nicht endlich den Schritt machen, von dem ich schon lange träume (und familiär doch auf recht viel Widerstand stosse)? Weil ich Angst habe zu versagen? Weil ich Angst habe, im Ausland könnte alles noch schlimmer sein? Weil ich Angst habe, es könnte alles besser sein? Ich weiß es nicht.

Doc Blog

Dienstag, 29. Juli 2008

Geilomat!

Normalerweise neige ich ja nicht zu derart vulgär-krassen Superlativen oder Kraftausdrücken, aber manchmal muss ich auch mal in dieser Schublade zulangen.

Was ist passiert? Plötzliche Beförderung zum OA meinerseits? Chef hat endlich meine schlummernden immensen Fähigkeiten und Qualitäten erkannt? Lottogewinn?

Nein, nichts dergleichen. Im Gegenteil, absolut profan, aber für mich trotzdem seit langem ein Highlight. Das heutige Essen...

Ja, man sollte es nicht meinen (so waren auch die Stimmen in der Mensa, und zwar einhellig, nach dem Motto: Sowas gibt es bei uns?!), aber manchmal (das zweite Mal seit ich dem Haus bin) gibt es sogar bei uns im KH was Gescheites zu futtern.
Aber das meine ich noch nicht einmal unbedingt (obwohl dies das Highlight nooch besser macht), sondern mein persönliches selbstkreiiertes Abendessen, zu dem ich mich nach einigem Hin und Her durchringen konnte.
In Erinnerung an Jugendtage und Urlaub habe ich mir Brot, Schinken kross, Käse und Spiegeleier gebraten, lecker angerichtet und ganz kross gebraten gegessen. Himmlisch. Bestimmt Jahre/Jahrzehnte (?) nicht mehr gehabt, aber der erste Bissen war super, hat Erinnerungen hochgebracht. War sehr sehr lecker. Leider sowas von ungesund (da war aller Sport umsonst), allen was ich da an Olivenöl im wahrsten Sinne des Wortes verbraten habe. Aber bereuen tue ich nix :-)

Und beruflich? Naja, durfte operieren (nach gestrigen Protest, als alle außer mir durften), lief ok, der OA wollte mir was demonstrieren, hatte aber nicht so geklappt. Egal, dem Pat. ging es ja gut.
Ein weiterer Kollege hat gekündigt. Alle scheinen sich in letzter Zeit beruflich weiterentwickeln zu wollen und schwirren in andere medizinische Bereiche (und Städte) ab.
Und nur weil ich mich nicht losreissen kann, bin ich immer noch hier.

Egal, hatte heute ein Superabendessen und nur das zählt (momentan).

Doc Blog

Donnerstag, 24. Juli 2008

Ohne sie wäre die Chirurgie nur die Hälfte wert...

Nein, ich meine nicht die emsig arbeitenden Rettungsassis, die Pflegerinnen und Pfleger oder das OP-Personal und natürlich auch nicht die ewig knechtende Garde der Chirurgen.

Sondern die Gattung Patient, die bei jahrelang bestehenden chronischen Beschwerden, nachts, meist so um Mitternacht rum, häufig dann doch etwas später, notfallmäßig das Krankenhaus aufsucht und natürlich in meiner chirurgischen Notaufnahme aufschlägt.

"Guten Morgen, was führt Sie denn heute zu uns?" (Keine Einweisung, Überweisung oder ähnliches)
"Ich hab' Rückenschmerzen!"
"Ach, ok, und wann haben die angefangen?"
"Na, so vor 6 Wochen!"
"Ehm, achja, und jetzt sind sie schlimmer geworden, nehme ich an?" (Die Uhr zeigt 12.09 a.m.)
"Nee, nur mein Hausarzt macht da nie was gegen und meinte, ich solle mal zum Orthopäden."
"Aha, ja, ok, und was sagt der Orthopäde?"
"Orthopäde? Da war ich noch nicht, da kriegt man doch nie einen Termin! Deswegen bin ich doch hier, hier ist immer jemand da!"
"?! Aber warum kommen sie dann nach Mitternacht??°
"Ich habe es vorher eben nicht geschafft und so muss ich hier auch nicht warten."

So oder so ähnlich ist es mir schon viele, viele Male passiert. Neulich erst. Versteht mich nicht falsch, ich sympathisiere absolut mit Patienten, die des nachts plötzlich starke Schmerzen bekommen (möchte fast schon sagen, damit kenne ich mich ja mittlerweile auch aus), und sich dann ins nächste KH schleppen. Die meine ich damit natürlich nicht.

Nein, ich meine die Garde der Bananenbieger, die mitten in der Nacht auf die Idee kommen, hmm, ich hab' ja jetzt nix zu tun, der Krimi ist auch zu Ende, warum nicht ins KH gehen? Und dann noch dreist sagen, daß man um diese Uhrzeit nicht warten muss (was ja zum Glück für mich meistens stimmt). Hatte sogar mal einen Spezi, dem hatte das angeblich der HA geraten, sich notfallmäßig zu später Stunde ins KH zu begeben, weil man da sicher mit wenig Wartezeit drankommt.

Ich reagiere in dieser Situation immer etwas aufbrausend und wasche den Pat. den Kopf. Was letztendlich kontraproduktiv ist, weil die's a) nicht einsehen und b) die Prozedur noch verlängert. Oft beschweren die sich dann noch, daß ich auch keine anständige Diagnostik mache ("Ich glaube Ihnen jetzt nicht, daß Ihr CT jetzt nicht mehr läuft!"), verweigern die Aufnahme ("Ich will nur 'ne Spritze, nicht hier übernachten!" - "Ach, und ich will Diagnostik vor der Spritze!") und kosten mich wertvolle Stunden nicht nur meines eh eher kargen Nachtschlafes, sondern auch meiner Lebenszeit.

Was wäre die Chirurgie ohne die Bananenbieger?

Doc Blog

Montag, 21. Juli 2008

Häng' mal eben Blut an...

Wie schwer es ist, dieser eigentlich einfachen Forderung zu folgen, habe ich neulich erst wieder erfahren müssen.

Der Patient, der das Blut erhalten sollte, lag auf einer Station, mit der ich fast nie was zu tun habe (Dienst eben). Als ich ankam, lag das Blut da, mit Bedsidetest und Anschlußdongle. Zuerst fehlte mir eine Schere, da konnte der Kollege noch helfen.
Beim Umschauen musste ich mit Erstaunen feststellen, daß es auf der ganzen Arbeitsfläche oder in den Schubladen/Schränken/Ablagen keine Spritzen, Kanülen etc. gab. Von Handschuhen ganz zu schweigen (vielleicht (ge)braucht die da keiner?).
Also in den Lagerraum am Ende der Station getigert und jeweils zwei geholt.
Zurück am Arbeitsplatz angefangen zu kreuzen, getropft, shit, keine Tupfer ?!?! Also wiederum zum Lagerraum gelaufen, Tupfer mitgenommen.
Bedsidetest des Patienten zufriedenstellend beendet.
Beim Bedsidetest der Konserve Krise, die Blutgruppe scheint nicht zu stimmen? Das hatte ich ja noch nie. Ergo, wieder testen, brauche wieder die Schere (Kollege aber schon weg, Schwester hilft, als ich sie endlich gefunden habe). Achja, brauche ja wieder meine Kanüle und Spitze, also ab in den Lagerraum. Zurückgekommen fehlt mir vorm Blutpanschen auf, daß mir persönlich Handschuche doch sehr genehm wären, also Weg zurück.
Zweimal den Bedsidetest gemacht, Rücksprache mit dem Labor gehalten, alles ok.
Blut angehangen (nachdem ich wiederum zum Lager für ein paar Tupfer musste) und es lief mehr schlecht als recht. Aber es lief. Patienten beobachtet, instruiert und gegangen.
Wenig überraschend, eine Stunde später der Anruf, die Braunüle läuft nicht mehr...
Ich muss wohl nicht eigens erklären, daß das Legen einer neuen ein ziemlicher Akt war ?!
Aber wie gesagt, häng' doch mal eben Blut an...

Dieses mich persönlich sehr nervende Erlebnis mag für andere nicht so wild erscheinen, ich persönlich fand es total unnötig und hat mich ziemlich auf 180 gebracht. Weiß nicht, was ich tun soll, wenn ich jemals auf diese "Station" versetzt werden sollte. Frage mich auch, wie die Kollegen, dies tagtäglich aushalten. Naja, im Endeffekt dramatisiere ich ja wahrscheinlich eh nur wieder.

Doc Blog

Dienstag, 8. Juli 2008

Und wieder ein Traum...

Die Tatsache, daß ich in meiner Freizeit tatsächlich jetzt schon mehrmals (!) von der Klinik geträumt habe, zeigt mir nicht nur eine pathologische Affinität mit der ganzen Sache auf, sondern auch, daß es noch viel viel schlimmer kommen kann. So geschehen in meinem Traum...
Insofern ist es wohl so, daß ich doch tatsächlich auf hohem Niveau jammere.

Nochwas zum Jammern? Die House-Folge heute ist doch eine Wiederholung, oder? Warum kenne ich die eigentlich alle schon in letzter Zeit. Schade. Irgendwie.

Habe Geld via paypal verschickt (und diesmal eine richtig erhebliche Summe), das noch nicht angekommen ist, das macht mir Sorgen. Ist ja nicht so, als würde ich wie'n Chefarzt verdienen und das wären peanuts für mich. Naja, nachdem ich die privatärztlichen Abrechnungen meiner Ärzte gesehen habe, sollte ich vielleicht doch über eine Niederlassung nachdenken, lol.

Anyhow, in der Klinik ist alles weiterhin der gleiche Irrsinn, wenn sich da von selbst nix ändert, muß ich was ändern, aber das ist ja die alte bekannte Leier. Ich sollte weg, kann aber nicht, wegen der Familie etc pp.

Und da dieser Post sowohl inhalts- als auch ergebnislos ist, wird er nun ad acta gelegt.

Doc Blog

Montag, 30. Juni 2008

Grandi catastrofi...

Da kommt man nach einiger (wohlverdienter und hoffentlich auch -investierter) Zeit wieder zurück zur Arbeit und - PENG- ist man auch zurück in der Realität. Da jagt eine Katastophe die andere, es gibt kein Licht am Ende des Horizonts (oder wie heißt das jetzt genau) und prinzipiell fühle ich mich innert weniger Minuten wieder, wie, ja wie...
Ich habe das Gefühl, was auch immer ich tue, es ist nie genug, was ich auch anfasse, es läuft suboptimal, unsere Bemühungen, den Laden am Laufen zu erhalte, werden entweder tatsächlich nicht gesehen oder ignoriert etc. pp.

Einige Beispiele?

Während 30 Minuten Gespräch mit der Pat. fragte sie mich mehrfach, was denn ihr Problem sei (Gute Frau, so richtig wissen tut das bei Ihnen wohl keiner, ich denke aber es liegt zwischen den Augen...) und was dagegen zu tun sei und ich habe diese Fragen auch immer wieder beantwortet. Habe ihr die Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt, die konservative Schiene angeleiert und ihr alles ausführlich erklärt. Quintessenz? Eine Stunde später beschwert sie sich bei der Schwester, es würde sich "keine Sau" um sie kümmern, sie wäre vollkommen verlassen, hat keine Ahnung, was nicht stimmt und Schmerzmittel kriegt sie ebensowenig wie eine Diagnose. Ja nee, ist klar...

Nach drei Überstunden meinerseits (und tatsächlich nicht des betreffenden Oberarztes) habe ich im OP wegen einer zugegegben nichtigen Frage angerufen. Ich wurde dem OA ans Ohr durchgestellt und bevor ich irgendetwas sagen konnte, meinte er nur: "Nein!". -"Äh? Ja, aber..."
"Nein!" Gut, ok, wenn er es nicht wissen will, dann lege ich eben einfach unverrichteter Dinge wieder auf. Ts...

Die vier Überstunden heute sind auch nur zustande gekommen, weil sich ein Kollege (praktischerweise der Spätdienst) ultra kurzfristig krankgemeldet hat, und ich deshalb seinen Dienst absitzen konnte. Und dann nach der 3. Überszunden nach gutgelaut sein? Nee, ist nicht. Nicht mit Doc Blog Da hilft auch keine Schoki.

Zusammenfassend komme ich mir vor wie Don Quixote, der verzweifelt gegen die Windmühlen kämpft, aber schon vor Beginn seiner Schlacht zum Scheitern verurteilt ist. Was dem wackeren Adeligen die vermeintlichen Riesen sind mir/uns die Unmengen an Pat. und Akten, die, während uns die Oberen im Nacken sitzen, zu aller Zufriedenheit abgearbeitet werden müssen.
Fast schon eine Catch22-Situation.

Fazit, nach 13 Stunden Arbeit nach etwas prolongierter Ruhephase: Ich bin schon wieder am Ende, müde, unzufrieden und fühle mich krank (was nicht nur damit zu tun hat, daß ein fachfremder OA mir heute eine OP nahegelegt hat) und sehe zur Zeit wieder mal/immer noch keine Perspektiven in diesem Haus.

Was wiederum dazu geführt hat, daß ich mich in meiner Zeit der Abwesenheit "umgesehen" habe. Und wer guckt, der findet. Nur leider bin ich weiterhin lethargisch und aufgrund familiärer Beziehungen doch etwas sehr gebunden. È molto complicato!

Doc Blog

Mittwoch, 18. Juni 2008

Mein Traum

I had a dream. I had a dream that every doctor is created equal...

Quatsch, naürlich war mein Traum heute Nacht viel profaner. Habe geträumt, ich hätte mit zwei Oberärzten gleichzeitig operiert, bzw. ich war der Operateur und die beiden die Assistenten. Und beide haben mich aber sowas von total gelobt, wie toll ich das alles machen würde. Dabei war ich in dem Moment, als einer der beiden das sagte, doch nur beim Koagulieren ?! Was will mir dieser Traum sagen? Außer, daß ich tief in meinem Innern doch noch die Hoffnung hege, vielleicht mal ein Großer zu werden?
Fact ist, die OP, für die ich heute extra gekommen bin, lief gar nicht mal so optimal. War ein anderer OA als die letzten Male, der hatte bei der Visite auf Station vorher schon so einen massiven Druck gemacht. Stand eigentlich der andere drauf, keine Ahnung, warum das mal wieder geändert wurde. Naja, der OP-Plan ist ja eh nur grober Anhaltspunkt.

Der OA war trotz allem aber recht geduldig, zumindest hat er sich merklich zusammengerissen. Am liebsten hätte er mir alles aus der Hand genommen, ach was, gerissen (aber er hat sich beherrscht, zumindest teilweise).
Kann ich ja fast verstehen, bei mir dauert das eben etwas länger. Aber was soll ich machen? Das ärgert mich ja selber. Bin immer noch sowas von unsicher, fange ungern alleine an (obwohl ich das alles ja nun wirklich hunderte von Malen gesehen habe und in der Theorie ja ALLES weiß! Jeden einzelnen Schritt!), aber alleine? Uiuiui, das ist ja dann doch ein ganz anderes Kaliber.
Stelle mir immer vorher vor, das alles super souverän zu machen, aber das klappt dann gar nicht. Heute war es eine minimalst (!) veränderte Anatomie, die mich ein wenig off track geworfen hat. Und dann war der OA auch schon da. Nix mit Glänzen und souverän und "ach, klasse, daß Du schon so weit bist". Das führt alles nur dazu, daß ich mir selber total im Halse stehe. Habe im Endeffekt auch nur 50% der OP machen dürfen, bis zur Subkutannaht hat er mir dann noch auf die Finger geschaut (um dann wohl recht zufrieden abzudampfen). Und dieser blöde Faszienfaden, Mann, das die Dinger immer so in die Finger schneiden. Habe ich auch schon lange nicht mehr gehabt. Sehe das jetzt mal als Zeichen an, daß die Faszie tatsächlich zu ist.

Tja, und danach? OP war ja nicht der ganze Tag. Danach war ich tatsächlich nicht einsetzbar, obwohl ich ja wider Erwarten doch da war. Vor allem wider eigenes Erwarten *gequältgrins*.
Ich hatte auf meiner Station noch zwei schwierige Fälle zu besprechen und musste sie noch dem Chef vorstellen. Der hat mich dann auch runterbestellt und dann, obwohl er wußte, daß ich warte, fast 2 Stunden (von denen ich tatsächlich eine erhebliche Zeit in seinem Büro gesessen und gewartet habe! - man will ja nicht, daß Chef sonst auf einen warten müsste) hängen lassen und ist (absichtlich? denke eher nicht) einfach nicht aufgetaucht. Bin fast rasend geworden, zumal ich ja einen Termin um 15.00 (also innerhalb meiner eigentlich nicht stattfinden solltenden Dienstzeit hatte) abgemacht hatte, den ich ernsthaft in Gefahr gekommen sah.
Habe aber dann einen Kollegen instruiert und habe (ohne Pat.vorstellung) das Haus verlassen und es gerade so eben zum Termin geschafft.

Mann! Heute war doch mein freier Tag!

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